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Doppelexekution

Zwei Männer an einem Tag hingerichtet – Florida exekutiert mehr als alle anderen US-Staaten zusammen

Zwei Männer an einem Tag hingerichtet – Florida exekutiert mehr als alle anderen US-Staaten zusammen
Foto: iStock
6 Min. Lesezeit |

Florida hat innerhalb eines einzigen Tages zwei zum Tode Verurteilte hingerichtet – die erste Doppelexekution in diesem Bundesstaat seit mehr als sechs Jahrzehnten. Die Vollstreckungen sind Teil einer deutlich verschärften Hinrichtungspraxis, die Gouverneur Ron DeSantis seit seinem Amtsantritt konsequent vorantreibt. Von insgesamt 66 Exekutionen, die in den Vereinigten Staaten seit Jahresbeginn 2025 vollstreckt wurden, entfielen 31 auf Florida – das entspricht 47 Prozent aller Hinrichtungen im Land, einschließlich jener von Duckett und Ociocone.

James Duckett, 68 Jahre alt und ehemaliger Polizist, war 1987 wegen des Mordes an einem elfjährigen Mädchen verurteilt worden. Am 28. Juli wurde er um 13.19 Uhr Ortszeit durch eine Giftinjektion hingerichtet. Rund fünf Stunden später, um 18.13 Uhr, folgte die Exekution von Dominic Ociocone, der 1986 die Eltern seiner ehemaligen Verlobten ermordet hatte.

Mit 80 Jahren ist Ociocone der zweitälteste Häftling, der in der Geschichte der Vereinigten Staaten hingerichtet wurde – und der älteste, dem in Florida die Todesstrafe vollstreckt wurde. Es war der erste Tag seit 1964, an dem Florida zwei Häftlinge binnen 24 Stunden exekutierte, wie Daten des gemeinnützigen Death Penalty Information Center belegen. Zuletzt hatte 2017 ein US-Bundesstaat – Arkansas – zwei Hinrichtungen an einem Tag durchgeführt.

Der Fall Duckett

Am Abend des 11. Mai 1987 machte sich die elfjährige Teresa May McAbee gegen 22 Uhr von zu Hause auf den Weg zu einem Gemischtwarenladen in Mascotte, einer Ortschaft westlich von Orlando, um einen Bleistift zu kaufen. James „Jimmy“ Duckett, 29 Jahre alt und noch in der Probezeit als Streifenpolizist der Mascotter Polizeibehörde, war in jener Nacht auf Patrouille. Der verheiratete Vater zweier Söhne befand sich auf seiner regulären Runde, als er Teresa vor dem Laden im Gespräch mit einem 16-jährigen Jugendlichen antraf, wie aus Gerichtsakten hervorgeht.

Duckett bestand stets darauf, er habe lediglich kurz mit den beiden gesprochen und beide nach Hause geschickt. Der Jugendliche und sein Onkel sagten jedoch später unter Eid aus, Duckett habe Teresa in seinen Streifenwagen gebeten und sei mit ihr weggefahren. Als Teresas Mutter gegen 23 Uhr im Laden eintraf und nach ihrer Tochter fragte, erfuhr sie vom Verkäufer, dass das Mädchen möglicherweise mit Duckett mitgegangen sei.

Am nächsten Morgen fand ein Fischer Teresas Leiche im Knight Lake, keine zwei Kilometer vom Laden entfernt. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass sie vergewaltigt und erwürgt worden war und noch gelebt hatte, als der Täter sie ertränkte. Der Verdacht fiel auf Duckett, nachdem ein ermittelnder Sheriff-Sergeant beobachtet hatte, dass der Polizist am Fundort der Leiche auffällig nervös wirkte, keinerlei Bestürzung über den Tod des Mädchens zeigte und eine offenkundig einstudiert wirkende Version der Ereignisse jener Nacht vortrug.

Fünf Monate nach dem Mord wurde Duckett angeklagt, verurteilt und zum Tode verurteilt. Ein für März angesetzter Hinrichtungstermin wurde vom Obersten Gerichtshof Floridas zunächst ausgesetzt, um neue DNA-Analysen abzuwarten. Diese lieferten kein eindeutiges Ergebnis; die Aussetzung lief am 11. Juli ab, und DeSantis unterzeichnete am 14. Juli ein neues Todesurteil.

Nach der Hinrichtung am 28. Juli brachte Teresas Mutter, Dorothy Toole, mit zitternder Stimme einen einzigen Satz hervor, bevor sie in Schluchzen ausbrach. „Ich warte seit 40 Jahren darauf, ihn sterben zu sehen“, sagte sie. Ihre Schwester Shirley Lancaster legte ihr die Hände auf die Schultern und sprach weiter für die Familie: „Sie war erst elf Jahre alt. All die Jahre haben wir ohne dieses Kind gelebt. Vielleicht wäre sie Ärztin geworden. Vielleicht Präsidentin – man weiß es nie. Aber wir hatten nie die Chance, das herauszufinden, weil dieser Kerl sie uns genommen hat.“

Der Fall Ociocone

In den frühen Morgenstunden des 10. Juni 1986 erschien Dominic Anthony Ociocone Jr. aufgewühlt und voller Wut vor dem Haus seiner ehemaligen Verlobten Anita Gerrity in Holiday, einer Küstengemeinde rund 50 Kilometer nordwestlich von Tampa. Als er gegen Fenster und Türen hämmerte, trat Gerritys 66-jähriger Vater Raymond Archner vor die Tür. Laut Gerichtsakten lächelte Ociocone ihn an, während er ihn tötete, drang dann ins Haus ein und erschoss Gerritys 62-jährige Mutter Martha Archner.

Vor Gericht argumentierten Ociocones Anwälte, ihr Mandant sei in jener Nacht so schwer alkoholisiert und von Eifersucht und Raserei beherrscht gewesen, dass er vorübergehend nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Die Jury votierte mit sieben zu fünf Stimmen für die Todesstrafe; der Richter schloss sich dem Votum an. Elf Jahre nach den Morden, 1997, äußerte sich Jim Archner, der Sohn der Opfer, gegenüber der Tribune zutiefst frustriert über die endlosen Verzögerungen: „Es ist zermürbend. Gerechtigkeit ist noch nicht geschehen. Es dauert so lange. Wann wird es endlich ein Ende haben?“

Nach der Hinrichtung Ociocones am 28. Juli erklärte die Familie der Opfer, dies sei „das Ende einer langen und schmerzhaften Reise“. „Die Jahre seit dem 10. Juni 1986 waren geprägt von schlaflosen Nächten, leeren Stühlen bei Familienfeiern und jenen Gesprächen, die nun für immer ungeführt bleiben“, hieß es in einer Erklärung der Familie. Ociocones Tod lösche diesen Schmerz nicht aus, so die Familie weiter – „aber er schließt eine Tür und beendet ein Kapitel, das einfach viel zu lange offen geblieben ist.“

Seit Jänner 2025 führt Florida die Statistik der Hinrichtungen in den USA unangefochten an. Der Sonnenstaat hat in diesem Jahr mehr Häftlinge exekutiert als alle anderen Bundesstaaten zusammengenommen: zwölf allein in Florida, verglichen mit sieben in Texas, Oklahoma und Arizona zusammen. Von 25 Häftlingen im Alter von mindestens 62 Jahren, die 2025 in sechs Bundesstaaten hingerichtet wurden, stammten 18 – also 72 Prozent – aus Florida.

Gouverneur DeSantis ist die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung. Er hat nicht nur mehr Todesurteile unterzeichnet als jeder seiner Vorgänger in der Geschichte des Bundesstaates, sondern 2023 auch ein Gesetz in Kraft gesetzt, das die Todesstrafe auf Sexualverbrechen an Kindern ausweitet. 2025 folgte eine weitere Gesetzesänderung, die die zulässigen Hinrichtungsmethoden auf alles erweitert, was „nicht als verfassungswidrig gilt“. Da bislang keine einzige Methode für verfassungswidrig erklärt wurde, sehen Experten darin eine gesetzliche Grundlage für nahezu jede denkbare Form der Exekution – vom Erhängen bis zur Steinigung.

DeSantis‘ Kurs stößt unterdessen auf wachsenden Widerstand: Gegner der Todesstrafe und politische Beobachter werfen ihm vor, die Hinrichtungspolitik mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028 gezielt zu instrumentalisieren.

Die Organisation Floridians for Alternatives to the Death Penalty erklärte jüngst, DeSantis behandle Hinrichtungen „zunehmend als gewöhnliches Mittel politischer Machtausübung“.

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KO KOSMO-Redaktion
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