Kontrolle, Isolation, Missbrauch – eine Frau bricht ihr Schweigen und enthüllt, wie Jeffrey Epsteins System von innen funktionierte.
Anya, die Betroffene, beschreibt das System, in dem sie gefangen war, als ein „Ökosystem des Missbrauchs“ – und will mit ihrer Geschichte anderen Opfern Kraft geben.
Die unter dem Pseudonym Anya auftretende frühere Epstein-Assistentin legte ihr ausführliches Zeugnis über Epsteins System und ihre Rolle darin in einem BBC-Interview ab, das am 17. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Sie war nach eigenen Angaben eine von rund einem Dutzend sogenannten „Assistentinnen“, die Jeffrey Epstein gleichzeitig beschäftigte und deren Aufgabe darin bestand, ihm ständig zur Verfügung zu stehen – und die er regelmäßig sexuell missbrauchte.
In ihrer Mitte 20 begegnete Anya in Paris dem Model-Scout Daniel Siad, der sie daraufhin dem angeblich einflussreichen Jeffrey Epstein vorstellte. Bei einem ersten Zusammentreffen in dessen Pariser Appartement schuf Epstein gezielt eine Vertrauensbasis und stellte ihr Verbindungen in die Modewelt in Aussicht. Was als vermeintliche Karrierechance begann, entwickelte sich rasch zu vollständiger Kontrolle über ihr Leben.
Totale Kontrolle
Als ihr Traum vom Modeln für gescheitert erklärt wurde, sollte Anya fortan als seine sogenannte „Assistentin“ tätig sein – eine Rolle, die in Wirklichkeit den totalen Verlust ihrer persönlichen Freiheit bedeutete. Sie musste jederzeit erreichbar sein und durfte das Haus in Manhattan nur mit ausdrücklicher Genehmigung verlassen. Ein eigenes Gehalt, eine Krankenversicherung oder ein Bankkonto besaß sie nicht.
Wer einen Fluchtversuch unternahm, wurde durch einen Privatdetektiv aufgespürt. Zur weiteren Absicherung seiner Macht sammelte Epstein Nacktaufnahmen der Frauen als Druckmittel.
Systematischer Missbrauch
Während einer Haftstrafe in Florida im Jahr 2008 – bei der ihm tagsüber Freigang gewährt wurde – soll er Anya nach ihren eigenen Angaben erstmals sexuell missbraucht haben. Gleichzeitig betrieb er systematisch die Zerstörung des Zusammenhalts unter den Frauen, indem er sie gegeneinander ausspielte und Misstrauen schürte. Jede von ihnen war verpflichtet, mindestens eine weitere Person in das System zu bringen.
Darüber hinaus mussten sie Dankesbriefe an ihn verfassen. Selbst körperliche Eingriffe ordnete er an: Ein Tattoo auf Anyas Bauch missfiel ihm – er ließ es von einem Arzt operativ entfernen.