Eine tote Taube, ein Stein und ein Streit, der weit über den Innenhof hinausreicht – Wien-Landstraße sorgt für Aufsehen.
Im Wiener Landesgericht beschäftigt sich die Justiz derzeit mit einem ungewöhnlichen Fall: Im März wurde im Innenhof eines Wohnhauses in Wien-Landstraße eine tote Taube entdeckt. Ein 67-jähriger Pensionist steht seither wegen des Verdachts der Tierquälerei vor Gericht. Eine Nachbarin will beobachtet haben, wie der Mann einen Stein nach dem Tier geworfen haben soll.
Das Gebäude, in dem sich der Vorfall ereignete, wechselte vor zwei Jahren den Besitzer – seitdem schwelt ein Konflikt zwischen langjährigen Mietern und dem neuen Eigentümer, der das Haus in Luxuswohnungen umwandeln möchte. „Es werden Maßnahmen getroffen, um die Altmieter zu vertreiben“, sagt ein Pensionist im Wiener Landl.
Streit um Schuldfrage
Von der Tat will der Angeklagte nichts wissen. „Ich hab‘ keinen Stein auf Tauben geschmissen“, beteuert er vor Gericht. Nach eigenen Angaben habe er lediglich versucht, die Tauben durch Lärm und Wasser zu verscheuchen.
Der neue Hauseigentümer hingegen beschuldigt ihn als Täter. Sein Verteidiger hält dagegen und verweist auf eine alternative Erklärung: „Es war der neue Besitzer des Hauses, der gesagt hat, dass es nur mein Mandant sein konnte.“ Möglicherweise, so das Argument der Verteidigung, sei bei laufenden Bauarbeiten ein Mauerstück herabgefallen und habe das Tier getötet.
Zeugin verhindert
Einen entscheidenden Rückschlag erlebte das Verfahren beim jüngsten Gerichtstermin: Die wichtigste Zeugin der Anklage, jene Nachbarin, die den Vorfall beobachtet haben will, war wegen eines Urlaubsaufenthalts verhindert. Der Prozess wird dennoch fortgesetzt. Ob es zu einer Verurteilung kommt, ist angesichts einer Beweislage, die sich im Wesentlichen auf Beobachtungen und Vermutungen stützt, völlig offen.
Mit dem Eigentümerwechsel und den Plänen zur Umgestaltung in hochpreisige Wohnungen sind im Haus spürbare Spannungen entstanden. Die betroffenen Mieter sehen sich einem wachsenden Druck ausgesetzt – eine Entwicklung, die auch Fragen zu Wohnbedingungen und Mieterrechten aufwirft und nicht zuletzt für die bosnisch-kroatisch-serbische Diaspora in Wien von Bedeutung sein könnte.