Hochzeit, Begräbnis, Baby an der Brust – und plötzlich wird aus einem normalen Moment ein Konflikt.
Melanie ist 30 Jahre alt, Mutter und kämpft für etwas, das ihr zufolge selbstverständlich sein sollte: das Recht, ihr Baby überall und ohne Anfeindungen stillen zu dürfen. Die Österreicherin machte in jüngster Zeit gleich zweimal die Erfahrung, dass die Gesellschaft das offenbar anders sieht.
Zwei Vorfälle
Beim ersten Vorfall handelte es sich um die Hochzeit eines nahen Verwandten. Während der Feier stillte Melanie ihr Kind – diskret, ohne dass ihre Brust sichtbar war. Dennoch trat der Wirt der Location an sie heran und bat sie, dafür ein separates Zimmer aufzusuchen.
Einige Monate darauf wiederholte sich eine ähnliche Situation bei einem Begräbnis: Melanie hatte sich bewusst vor die Kirche zurückgezogen, um ihr sechs Monate altes Baby zu stillen – und wurde dort von einer ihr unbekannten Frau lautstark beschimpft.
Gesellschaftliches Problem
Für Melanie sind beide Erlebnisse symptomatisch für ein gesellschaftliches Problem. Nach wie vor sehe sie sich mit Vorurteilen konfrontiert, die sich darin äußern, dass Außenstehende sowohl den Zeitpunkt als auch den Ort des Stillens in Frage stellen. Bei der Hochzeit stand ihre Familie geschlossen hinter ihr, als der Wirt das Gespräch suchte.
Melanie plädiert deshalb für einen gesellschaftlich offeneren Umgang mit dem Thema. Negative Reaktionen und soziale Stigmatisierung träfen stillende Mütter oft in einer ohnehin belastenden Lebensphase besonders hart. „Es muss mich niemand anfeuern dabei und auch niemand anstarren, es geht einfach um die Akzeptanz“, sagt Melanie.
Sie hofft, mit ihren Erfahrungen dazu beizutragen, das Verständnis für stillende Mütter zu stärken und der Sexualisierung des Stillens entgegenzuwirken.