Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Bildungsreform

Österreich testet sechsjährige Volksschule

Österreich testet sechsjährige Volksschule
Symbolbild Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Mit zehn Jahren über die Schullaufbahn entscheiden – das könnte bald der Vergangenheit angehören. Ein neues Modell sorgt für Zündstoff.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr plant ab dem Schuljahr 2027/28 einen Schulversuch, der die Volksschule auf sechs Jahre verlängern soll. Damit würde die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg – Mittelschule oder Gymnasium – erst nach der sechsten Schulstufe fallen, zwei Jahre später als bisher.

Der Versuch ist auf mindestens fünf Standorte in drei Bundesländern ausgelegt. Die Teilnahme bleibt freiwillig; Schulen, die sich beteiligen möchten, können sich bis zum 16. Oktober anmelden.

Neues Modell

Derzeit verlassen Kinder die Volksschule nach vier Jahren. Das neue Modell soll ihnen mehr Zeit geben, individuelle Stärken zu entfalten und den Übergang in die weiterführende Schule schrittweiser zu gestalten.

In der fünften und sechsten Klasse würden Fachlehrerinnen und Fachlehrer aus der Sekundarstufe I den Unterricht übernehmen. Ergänzend dazu ist das neue Fach „Persönlichkeitsbildung“ vorgesehen, das Schülerinnen und Schüler gezielt auf den nächsten Bildungsabschnitt vorbereiten soll.

Politischer Widerstand

Politisch stößt das Vorhaben auf geteilte Reaktionen. Die ÖVP stellt klar, dass das Gymnasium „nicht zur Disposition“ steht, während die FPÖ den Vorstoß als „ideologischen Kniefall vor der Mittelmäßigkeit“ bezeichnet. Auch die Initiative „Pro Gymnasium“ begegnet dem Modell mit Skepsis. Die Arbeiterkammer hingegen spricht sich für eine weiterreichende Gesamtschullösung aus.

Wiederkehr verknüpft den Schulversuch ausdrücklich mit dem Ziel größerer Bildungsgerechtigkeit. „Ziel ist ein Schulsystem, das Kinder nicht schon mit zehn Jahren schubladisiert“, betont der Minister. Da die Bildungschancen von Kindern nach wie vor stark vom sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund ihrer Familien abhängen, soll das Modell auch jenen zugutekommen, die aus einkommensschwächeren Verhältnissen stammen.

Die Umsetzung ist ressourcenneutral konzipiert. Sollte die Bilanz des Versuchs positiv ausfallen, ist eine Ausweitung auf weitere Bundesländer denkbar.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen