Die Frage der Fragen: “Wie viele hattest du vor mir?”

INTIME MATHEMATIK

Die Frage der Fragen: “Wie viele hattest du vor mir?”

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Eine einfache Frage, die alles kompliziert macht. FOTO: iStockphoto

Diese indiskrete, anfangs harmlos gestellte Frage, die man spätestens nach der Antwort des Gegenübers bereut, bildet einen Knoten im Hals und löst detaillierte Konkurrenzkämpfe im Kopf aus.

Diese simple Zahl kann für einen kurzen Moment der Stille zu einer eingeschränkten Herzleistung bei gleichzeitigem Drücken und Zwicken der Körpermitte führen, während emotionale Erregungen den gesamten Körper überdecken.

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Nach heißen Kerlen, wie George Clooney, Hugh Jackman, Brad Pitt und Ryan Reynolds, wurde der Titel dieses Jahr an einen weniger typischen Schönling vergeben.

Die ekelhafte Wahrheit der magischen Zahl
Ist sie einstellig oder sogar zweistellig? Wie hoch ist die Zahl des Partnerverbrauchs? Dass bereits die Generation unserer Eltern mit dieser unvermeidbaren Frage zu kämpfen hatte, beweist das 1979 erschienene Lied von Bijelo Dugme „A koliko si ih imala do sad“.

“Stani, stani nemoj mi reć’ šta me briga

šta je bilo kad je bilo već…”

– Bijelo Dugme

Gehen Männer der schönsten Nebensache der Welt beinahe professionell nach, werden diese Heldentaten und die ehrenamtliche Prostitutionszeit ausreichend gewürdigt. Kommen bei Frauen des Öfteren intime Begegnungen zustande, spricht man trotzdem noch von leichten Mädchen. Znači muškarac sa što više riba se računa kao frajer, a žena koja bi uradila isto?

Eine Berechnung über vergangene Liebschaften:
Nehmen wir das Jahr 2015. Das Mädchen von Heute verliert mit etwa 16 Jahren seine Jungfräulichkeit. Im Alter von 25 heiratet sie. Hier liegen also 9 Jahre dazwischen. Lassen wir sie in unserer Berechnung eine feste 3-jährige Beziehung haben, einige Zeit später erneut eine mit 2 Jahren. Somit sind wir bei 5 Jahren, in denen dieses Mädchen vergeben war. Nun bleiben vier Jahre für YOLO und HALLI GALLI (“krenula u život da uživa”). Geben wir ihr doch jedes halbe Jahr eine Bettgeschichte (“nema veze, nije sapun da se troši”). Vier mal zwei ergibt acht, plus ihre beiden Ex-Freunde beträgt die Zahl ihrer Partner zusammengezählt 10.

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BOOM – da ist es schon, dieses greifbare Bild in euren Köpfen. Da ist diese famose Zahl (slijedi šok…). Diese Zahl füllt in eurem ausgeprägten Kopfkino eine ganze Diskothek oder bildet eine ganze Fußballmannschaft. Bei vergangenen Sexualpartnern scheitert es jedenfalls nicht an eurer Vorstellungskraft. Eine einzige Zahl aus der Vergangenheit kann plötzlich alles bestimmen, verfügt sogar über die Fähigkeit, zu (be-)urteilen: “drolja – radodajka – ona će dati svima – pola grada je prešlo preko nje – otiće kad dobije priliku…”

Was treibt euch also zu der Frage? Ihr könnt es nicht lassen, es ist einfach da. In eurer Psyche, der Erste und Letzte sein zu müssen. Was glaubt ihr eigentlich? Mislite da je vam dozvoljeno različito seksualno ponašanje od nas cura? Wieso ist diese eine Zahl so schwer für euch zu schlucken? Geht ihr davon aus, dass solch eine junge Frau ihre Bett-Gepflogenheiten nicht unter Kontrolle hat? Dass ihr Selbstachtung fehlt? Glaubt ihr, dass ein anderer sexueller Partner eine Art von „Spur“ hinterlässt (“duboko ostavljen trag da se uvijek pamti, uspomene lijepe ili ružne”)? Habt ihr Angst vor dem Vergleich, der Konkurrenz? Unsicherheit? Oder stört euch der Gedanke, dass sie, während sie mit einem Anderen intim war, das aus Liebe getan hat? Was ist die Antwort? Habt ihr überhaupt eine? Fragt euch doch erst mal, ob ihr mit euch selber eine Beziehung eingehen würdet?

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Diese oder so ähnliche Beschimpfungen hat wahrscheinlich schon fast jeder von uns einmal gehört. Was genau ist passiert, dass wir keinen Platz mehr in der Gesellschaft haben und einfach jeder das Recht hat, uns lautstark seine Meinung über unseren Körper ins Gesicht zu schreien?

Schon von klein auf sind wir Mädchen in einem Denkmuster gefangen und haben vieles von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommen (“bolje je sine biti čuvena nego vidjena“). „Jaaaa, Mama!“, haben wir früher vermutlich auf einen dieser Ratschläge forsch geantwortet. Heute wissen wir, dass Mamas Weisheiten nicht von ungefähr kamen und eines zum Ziel hatten: Schutz und Bewahrung vor schmerzhaften Erfahrungen und Enttäuschungen. Insbesondere, wenn es um unser Liebesleben geht. Aber wir haben es gelernt, diese “intime Mathematik” so gut wie möglich zu vermeiden, nicht die Wahrheit zu sagen. In dieser Sphäre wird eine Frau immer verlieren. Deshalb ist dieses Thema voller Absurdität. Niemand kann die Regulierung des Empfundenen bestimmen. Kein Außenstehender hat das Recht zu behaupten, dass unsere Gefühle in gewissen Momenten unangebracht und falsch seien, geschweige denn zu beurteilen, was sich gehört oder unangebracht ist (“ko može, osim boga, znati šta je istina izmedju dvoje ljudi?”)

PS: Nur die Liebe zählt (nicht).