Belgrads kostenloser Nahverkehr hat einen versteckten Preis – und der könnte bald den gesamten Busverkehr der Stadt zum Erliegen bringen.
Ein Konsortium privater Busunternehmen hat die Belgrader Stadtführung mit der Einstellung des öffentlichen Verkehrs konfrontiert – falls ausstehende Zahlungen in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro nicht unverzüglich beglichen werden. Seit vier Monaten warten die betroffenen Betriebe demnach vergeblich auf ihr Geld.
Das Konsortium „BG bus prevoz“, dem 18 private Verkehrsunternehmen angehören, die parallel zum städtischen Betrieb GSP den Belgrader Nahverkehr mitbetreiben, richtete ein entsprechendes Schreiben sowohl an das städtische Amt für öffentlichen Verkehr als auch an das Büro des Bürgermeisters. Darin machen die Unternehmen unmissverständlich klar, dass ein Weiterbetrieb unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich sei. Die ausstehende Summe beläuft sich auf exakt 33,05 Millionen Euro.
Kostenloser Nahverkehr
Hintergrund der Zahlungskrise ist eine politische Entscheidung: Seit dem 1. Jänner 2025 ist der öffentliche Nahverkehr in Belgrad für alle Fahrgäste – Einheimische wie Touristen – kostenlos. Einzelfahrscheine und Monatskarten wurden abgeschafft, die Finanzierung der Verkehrsleistungen erfolgt seither vollständig aus dem städtischen Haushalt. Offenbar hat die Stadtverwaltung die damit verbundenen Zahlungsverpflichtungen gegenüber den privaten Betreibern bislang nicht erfüllt.
Die Nichtregierungsorganisation Zentrum für lokale Selbstverwaltung (CLS), die das Schreiben öffentlich machte und die Lage als „alarmierend“ einstuft, weist zudem darauf hin, dass auch die wichtigsten Zulieferer des GSP die Stadtführung gewarnt haben: Ohne Begleichung ihrer offenen Forderungen sei eine weitere Wartung der Fahrzeuge nicht mehr gewährleistet – was das gesamte öffentliche Verkehrssystem gefährden würde.
Politischer Druck
Politischen Druck übt nun auch die oppositionelle Bewegung freier Bürger (PSG) aus. Ihr Stadtrat und Belgrader Ausschussvorsitzender Stefan Simic erklärte, es handle sich dabei „nicht um eine bloße administrative Verzögerung, sondern um ein ernsthaftes Problem bei der Verwaltung der städtischen Finanzen“. Besonders besorgniserregend seien die Hinweise auf Schulden gegenüber GSP-Zulieferern in Höhe von mehreren Milliarden Dinar, da dies die Funktionsfähigkeit des gesamten Nahverkehrs grundlegend in Frage stelle.
Das CLS macht Bürgermeister Aleksandar Sapic persönlich für die Misere verantwortlich und wirft ihm vor, Belgrad in den finanziellen Ruin zu treiben. Die PSG wiederum betont, der vermeintlich kostenlose Nahverkehr sei in Wahrheit alles andere als gratis – er werde aus dem städtischen Budget finanziert, das von allen Belgraderinnen und Belgradern gespeist wird. „Die Bürger haben das Recht zu wissen, wie ihr Geld verwendet wird. Jeder Dinar muss gerechtfertigt, jeder Vertrag transparent und öffentlich zugänglich sein“, so die Forderung der Opposition.
Konkret verlangt die PSG von der Stadtverwaltung die umgehende Veröffentlichung exakter Schuldendaten gegenüber privaten Verkehrsbetrieben, dem GSP und dessen Zulieferern – sowie einen nachvollziehbaren Plan, wie und bis wann diese Verbindlichkeiten beglichen werden sollen.