Der chinesische Online-Handelsriese JD.com hat seine Absicht bekräftigt, die Elektronikketten MediaMarkt und Saturn zu erwerben. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, strebt der Technologiekonzern die vollständige Übernahme der Düsseldorfer Muttergesellschaft Ceconomy an. Dies geht aus einer gemeinsamen Mitteilung von Ceconomy und dem Kaufinteressenten vom Mittwochabend hervor.
Den Aktionären des deutschen Unternehmens – darunter die Familie Kellerhals als Gründer sowie die Haniel-Familienholding aus Duisburg – wird ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von 4,60 Euro je Stammaktie in bar unterbreitet. Diese Offerte entspricht einer Gesamtbewertung des Unternehmens von vier Milliarden Euro. Noch in der Vorwoche wurde der potenzielle Übernahmepreis mit etwa 2,2 Milliarden Euro deutlich niedriger eingeschätzt.
Chinesische Marktexpansion
JD.com rangiert in China nach Alibaba und Pinduoduo, der Muttergesellschaft von Temu, auf dem dritten Platz der E-Commerce-Anbieter. Mit dem Erwerb von MediaMarkt und Saturn würde sich der chinesische Konzern den Zugriff auf einen führenden europäischen Elektronikhandelskonzern sichern – sowohl im digitalen Geschäft als auch mit einem Netzwerk von rund 1.000 stationären Geschäften in verschiedenen europäischen Märkten.
⇢ Milliardensumme: Wird MediaMarkt bald chinesisch?
Ceconomy verzeichnete zuletzt einen Jahresumsatz von 22,4 Milliarden Euro. Spekulationen über ein Kaufinteresse von JD.com zirkulieren bereits seit dem vergangenen Jahr, haben jedoch erst in der letzten Woche konkretere Formen angenommen.
Nun steht die Transaktion kurz vor dem Abschluss.
Regulatorische Hürden noch zu nehmen
Bevor die Übernahme vollzogen werden kann, muss das Vorhaben noch die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden in der EU und weiteren betroffenen Ländern erhalten. Beide Unternehmen geben sich in dieser Hinsicht zuversichtlich und betonen, dass sie keine kartellrechtlichen Hürden erwarten. Dies begründen sie damit, dass JD.com bislang in Europa nicht als Wettbewerber im stationären Elektronikhandel auftritt und somit keine marktbeherrschende Stellung entstehen würde.
Dennoch bleibt abzuwarten, wie die europäischen Wettbewerbsbehörden und außenwirtschaftlichen Kontrollinstanzen auf die Transaktion reagieren werden. Angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen und der wachsenden Sensibilität gegenüber chinesischen Investitionen in strategisch relevanten Branchen könnten die Prüfungen intensiver ausfallen als bei vergleichbaren Übernahmen in der Vergangenheit. Die EU-Kommission hat in jüngerer Zeit mehrfach signalisiert, bei Übernahmen durch außereuropäische Konzerne genauer hinzuschauen, insbesondere wenn es sich um Unternehmen aus China handelt.