Der Brenner Basistunnel ist durchbrochen: Ein Meilenstein für Europas Verkehrswende
Arbeiter haben den unterirdischen Eisenbahntunnel zwischen Österreich und Italien durchbrochen – ein historischer Moment für das größte Infrastrukturprojekt Europas. Der Brenner Basistunnel wird nach seiner Fertigstellung mit 55 Kilometern die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein. Verbunden mit der bestehenden Strecke nach Innsbruck-Tirol erreicht er sogar eine Gesamtlänge von 64 Kilometern.
„Heute machen wir gemeinsam einen entscheidenden Schritt beim Bau eines der größten Infrastrukturprojekte auf dem gesamten Kontinent. Dies ist ein historischer Tag für Italien, für Österreich und für ganz Europa„, erklärte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei der feierlichen Zeremonie zum Tunneldurchbruch.
Das Mammutprojekt stellt einen zentralen Baustein der europäischen Verkehrswende dar. Ziel ist es, den Gütertransport von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene zu verlagern, die Umweltbelastung zu reduzieren und gleichzeitig den grenzüberschreitenden Handel zu stärken. Die neue Verbindung wird die Fahrzeit zwischen dem italienischen Fortezza und Innsbruck-Tirol drastisch verkürzen – von derzeit 80 Minuten auf weniger als 25 Minuten.
Bereits 200 Tunnelkilometer sind fertiggestellt – davon 96 Kilometer Haupttunnel, 57 Kilometer Erkundungsstollen und 47 Kilometer Sicherheits- und Logistiktunnel. Das entspricht 87 Prozent des gesamten Tunnelsystems.
Verzögerungen und explodierende Kosten
Erstmals werden Österreich und Italien durch einen direkten Eisenbahntunnel verbunden sein. Die Eröffnung ist für 2032 geplant – allerdings mit erheblicher Verspätung von rund 16 Jahren gegenüber der ursprünglichen Planung. Auch die Kosten sind dramatisch gestiegen: von den anfänglich veranschlagten 6 Milliarden auf mittlerweile rund 10 Milliarden Euro.
Die Finanzierung erfolgt gemeinsam durch Österreich, Italien und die Europäische Union, die seit 2016 eine Kofinanzierung ermöglicht.
Die Notwendigkeit des Projekts zeigen die Verkehrszahlen: Jährlich überqueren mehr als 2,5 Millionen Lastwagen, 14 Millionen Fahrzeuge und 50 Millionen Tonnen Waren den Brennerpass. Bislang werden etwa 70 Prozent des transalpinen Güterverkehrs über den Brenner auf der Straße abgewickelt und nur 30 Prozent auf der Schiene.
Nördliche Anbindung
Ein Fragezeichen steht allerdings hinter der Anbindung im Norden: Deutschland hat die wichtigen Zulaufstrecken zum Brenner Tunnel noch nicht fertiggestellt. Das könnte die volle Wirksamkeit des neuen Verkehrswegs beeinträchtigen.