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Femizid

Ehefrau vor Kindern getötet: Polizei kannte Täter seit Jahren – trotzdem starb Zlatica

Ehefrau vor Kindern getötet: Polizei kannte Täter seit Jahren – trotzdem starb Zlatica
FOTO: EPA/CHRISTIAN BRUNA
4 Min. Lesezeit |

Trotz Waffenverbot und mehrfacher Anzeigen endete ein Familienkonflikt tödlich. Ein 44-Jähriger erschoss seine Noch-Ehefrau und verletzte zwei weitere Personen schwer.

Im Fall des mutmaßlich zehnten Frauenmordes in Wien-Leopoldstadt bleiben zahlreiche Fragen ungeklärt. Der 44-jährige Nenad M. soll am Dienstagabend seine Noch-Ehefrau Zlatica M. erschossen, seine Tochter und deren Freund schwer verletzt haben, bevor er sich selbständig das Leben nahm. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse weisen auf eine jahrzehntelange Geschichte häuslicher Gewalt hin.

📍 Ort des Geschehens

Das Ehepaar befand sich in Scheidung und lebte getrennt, wie die Ermittler feststellten. Der Tatverdächtige wollte nach Polizeiangaben am Dienstag persönliche Gegenstände aus der Wohnung in der Vorgartenstraße abholen, in der er noch gemeldet war. In der Wohnung hielten sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Familienmitglieder auf – darunter seine Tochter mit ihrem Partner, deren zwei Kinder sowie eine weitere, 15-jährige Tochter des Paares. In der Folge entwickelte sich offenbar eine heftige Auseinandersetzung.

Im Verlauf des Streits feuerte der Serbe auf seine gleichaltrige Ehefrau. Seine 24-jährige Tochter erlitt einen Kopfschuss – Mediziner ringen seit zwei Tagen um ihr Leben. Die drei anwesenden Minderjährigen mussten die Gewalttat miterleben. Auch der Lebensgefährte der 24-Jährigen wurde angeschossen. Laut Wiener Gesundheitsverbund ist sein Zustand trotz der Schussverletzung stabil; er konnte bereits befragt werden und bestätigte das Tatmotiv. Mittlerweile wurde er auf die Normalstation verlegt.

⇢ Tödlicher Familienstreit – Serbe erschießt Ehefrau: Neue Details bekannt

Die bisher veröffentlichten Untersuchungsergebnisse der Wiener Polizei lassen eine möglicherweise dramatische Beziehungs- und Familiengeschichte der getöteten 44-jährigen Zlatica M. erahnen, die mehr als zehn Jahre zurückreicht. Nach derzeitigem Kenntnisstand dürften Eifersucht und die Trennung des Paares die Auslöser für die mutmaßliche Gewalttat ihres Noch-Ehemannes Nenad M. gewesen sein, bei der die Frau ihr Leben verlor.

Vorgeschichte der Gewalt

Der 44-Jährige hatte bereits eine Vorgeschichte mit Gewalt, wie aus Polizeiberichten hervorgeht. Erstmals polizeilich in Erscheinung trat der 44-Jährige vor elf Jahren, 2014, als gegen ihn ein Waffenverbot sowie ein Betretungsverbot verhängt wurden. Auslöser war ein Vorfall mit seiner Ehefrau – auch die Kinder galten damals als durch ihren Vater gefährdete Personen. Das Waffenverbot war zum Zeitpunkt der Tat noch gültig – ob es zwischenzeitlich aufgehoben wurde, teilte die Polizei bislang nicht mit.

Bei diesem einen Vorfall blieb es nicht, Nenad M. zeigte offenbar kein Einsehen. In den vergangenen Jahren gab es „mehrere Anzeigen unter anderem wegen Gewaltdelikten“, erklärte Polizeisprecherin Irina Steirer. Konkret handelte es sich um eine gefährliche Drohung und einen erneuten Verstoß gegen das Waffengesetz – er besaß eine Schreckschusswaffe.

Behördliche Maßnahmen

Die Polizei klärt in solchen Fällen die Betroffenen über die „Konsequenzen ihres Handelns“ auf. Eine weitere Anzeige wurde erstattet. Zudem informierte die Polizei das Wiener Gewaltschutzzentrum – ein standardisiertes Verfahren nach Verhängung eines Betretungs- und Annäherungsverbots. Die Einrichtung nimmt daraufhin Kontakt mit den Betroffenen auf und bietet professionelle Unterstützung an.

Warum die Staatsanwaltschaft Wien keine ausreichenden Gründe sah, den 44-jährigen Serben zur Verantwortung zu ziehen, blieb auf Anfrage der „Krone“ bis Donnerstagabend unbeantwortet.

Wer sich an den Femizid (Mord an Frauen aufgrund ihres Geschlechts) in Maria Alm erinnert, bei dem die 34-jährige Jenny Z. durch einen Kopfschuss ihres Ex-Partners getötet wurde, weiß: Auch in diesem Fall gingen der Tat Drohungen voraus, die das Opfer bei der Polizei meldete. Damals wurde aus ungeklärten Gründen kein Betretungs- und Annäherungsverbot erlassen. Dieser Fall hatte ebenfalls Diskussionen zum Schutz von Frauen ausgelöst.

Offensichtlich hätte bzw. hat ein solches Verbot weder Jenny Z. noch Zlatica M. geschützt. Dennoch bleiben beim Schutz der Familie M. viele Fragen offen – einer Familie, die vermutlich seit mehr als einem Jahrzehnt mit Gewalt und Drohungen konfrontiert war.

Trauriger Jahrestrend

Der Fall in der Wiener Vorgartenstraße reiht sich in die alarmierende Femizid-Statistik 2024 ein. Zlatica M. ist bereits das zehnte Opfer tödlicher Gewalt gegen Frauen in Österreich in diesem Jahr. Experten und Opferschutzorganisationen kritisieren, dass bestehende Schutzmaßnahmen wie Waffen- und Betretungsverbote in der Praxis oft nicht ausreichen. Die Umsetzung und Kontrolle dieser Maßnahmen bleibt lückenhaft, obwohl in mehreren Fällen – wie jenem von Nenad M. – die Täter bereits polizeilich bekannt waren und wiederholt Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vorlagen.

Die Diskussion um effektivere Präventionsmaßnahmen und eine strengere Durchsetzung bestehender Schutzverordnungen wird nach jedem neuen Fall erneut geführt – doch für Zlatica M. und ihre Familie kommen alle Reformen zu spät.

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KO KOSMO-Redaktion
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