Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Bildungsungerechtigkeit

550 Euro privat: So viel zahlen Österreichs Lehrer für den Unterricht

550 Euro privat: So viel zahlen Österreichs Lehrer für den Unterricht
Symbolbild Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

550 Euro im Jahr – aus der eigenen Tasche, für den Job. Was Österreichs Lehrkräfte still finanzieren, hat jetzt eine Zahl bekommen.

Im österreichischen Schulsystem tragen Lehrkräfte eine finanzielle Last, die weit über ihre eigentliche Berufsrolle hinausgeht. Einer Studie des Österreichischen Schulbuchverlags und der Johannes Kepler Universität Linz zufolge, für die mehr als 2.000 Lehrerinnen und Lehrer befragt wurden, geben diese im Schnitt 550 Euro pro Jahr aus eigener Tasche für Unterrichtsmaterialien aus.

Zwar können Lehrkräfte beruflich veranlasste Ausgaben als Werbungskosten in der Arbeitnehmerveranlagung geltend machen, sofern diese den allgemeinen Werbungskostenpauschbetrag von 132 Euro pro Jahr übersteigen – doch bei durchschnittlich 550 Euro jährlich bleibt dennoch eine erhebliche finanzielle Eigenbelastung bestehen.

Nahezu alle befragten Lehrkräfte – konkret 99 Prozent – sind demnach gezwungen, Arbeitshefte, Kopiervorlagen, Bastelmaterial und sonstige Klassenzimmerbedürfnisse selbst zu finanzieren. Hochgerechnet auf alle österreichischen Lehrerinnen und Lehrer ergibt das private Ausgaben von bis zu 70 Millionen Euro jährlich. Dass manche Lehrkräfte darüber hinaus auch soziale Lücken schließen – etwa indem sie Kindern, die sich keine Jause leisten können, unter die Arme greifen – unterstreicht die Dimension des Problems.

Grüne Reaktion

Die Grünen haben auf diese Situation mit der Aktion „Zahlt eh die Lehrerin“ reagiert und damit eine politische Debatte angestoßen. Bildungssprecherin Sigi Maurer formuliert es unmissverständlich: „Dass 99 Prozent der Lehrkräfte Material aus eigener Tasche finanzieren, ist keine Kleinigkeit, sondern eine stille Ungerechtigkeit, die wir seit Jahren einfach hinnehmen.“ Und weiter: „Wer in der Klasse steht, soll nicht auch noch draufzahlen müssen, damit der Unterricht funktioniert.“

Felix Stadler, Bildungssprecher der Wiener Grünen und selbst als Lehrer tätig, bestätigt die alltägliche Realität aus eigener Anschauung – er berichtet, dass Lehrkräfte bisweilen auch „für die Jause von Kindern, die sich keine leisten können“ aufkommen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr von den Neos sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, das Thema bislang ignoriert zu haben.

Die Grünen wollen die Aktion nun nutzen, um systematisch Erfahrungsberichte von Lehrerinnen und Lehrern zu sammeln und daraus gemeinsam mit den Betroffenen konkrete Lösungsansätze zu entwickeln.

Entsprechende Berichte und Reformvorschläge sollen in absehbarer Zeit folgen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen