Wien erlebt einen historischen Ansturm auf den roten Pass – und die Gründe dafür reichen weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Wien verzeichnet einen markanten Sprung bei den Einbürgerungsanträgen: Im laufenden Jahr 2025 wurden bei der zuständigen Magistratsabteilung 35 insgesamt 14.445 Anträge von in Österreich lebenden Personen gestellt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von knapp 57 Prozent – ein Anstieg, der die Behörde vor erhebliche Kapazitätsfragen stellt.
Unter den häufigsten Herkunftsländern der neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger nennt die MA 35 Syrien, den Iran sowie Russland. Parallel zur gestiegenen Antragszahl erhöhte sich auch die Zahl der abgeschlossenen Verfahren deutlich: Insgesamt wurden rund 21.700 Verfahren im Bereich Einbürgerung und Staatsbürgerschaft erledigt, wobei mehr als 10.000 davon auf Anträge von Nachfahren nationalsozialistischer Verfolgungsopfer entfielen.
Gründe des Anstiegs
Als wesentliche Ursachen für den Anstieg führt die Behörde internationale Krisen sowie die angespannte geopolitische Lage an. Viele jener Menschen, die im Zuge der Fluchtbewegungen der Jahre 2015 und 2016 nach Österreich gekommen sind, erfüllen inzwischen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung. Darüber hinaus verstärke die weltpolitische Unsicherheit bei zahlreichen Menschen den Wunsch nach einem österreichischen Pass.
Wartezeiten sinken
Die MA 35 stand in den vergangenen Jahren wiederholt wegen überlanger Wartezeiten in der öffentlichen Kritik. Nach eigenen Angaben der Behörde konnten die internen Abläufe seither spürbar verbessert werden. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin zur Antragstellung beträgt derzeit 186 Tage – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Jahren, in denen Betroffene mitunter mehr als zwölf Monate auf einen Termin warten mussten.
Die Stadt Wien verweist auf den Einsatz zusätzlichen Personals sowie auf neue digitale Werkzeuge, die zur Beschleunigung der Bearbeitung beitragen sollen. Wiener Integrationsstadträtin Bettina Emmerling zufolge werden seit mehreren Jahren Verwaltungsabläufe schrittweise digitalisiert und kontinuierlich optimiert, um mit den steigenden Fallzahlen Schritt halten zu können.