Bangladesch gehört zu den wichtigsten Textil-Lieferländern für die europäische Modebranche. Wer in sein T-Shirt oder seine Jeans schaut, entdeckt häufig das Label „Made in Bangladesch„. Aktuell erschüttern politische Unruhen das Land, die über 400 Todesopfer gefordert haben. Welche Folgen hat diese Krisensituation für Modehersteller, Händler und letztlich für die Konsumenten in Europa?

Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht ernste Konsequenzen voraus. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth erklärt, dass kurzfristige Fabrikschließungen und Produktionsunterbrechungen zu Engpässen führen könnten. „Dies könnte zu höheren Preisen und einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Modeartikeln führen,“ so Genth.
Gefährdete Produktionsstätten und Betriebsschließungen
Die politische Instabilität hat zu gewaltsamen Protesten, Plünderungen und Brandanschlägen auf Textilfabriken geführt. Viele Betriebe schlossen aus Angst vor weiteren Angriffen. M. Maksud, Präsident der Deutsch-Bangladeschischen Handelskammer, fürchtet, dass internationale Kunden aufgrund der Unsicherheiten weniger Aufträge vergeben könnten.
Axel Augustin vom Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE) meint, dass längere Produktionseinschränkungen zu Schwierigkeiten bei einzelnen Marken führen könnten. „Allerdings bezweifle ich, dass die Kunden dies bemerken werden, da die Lager zu Saisonbeginn meist voll sind,“ so Augustin. Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie meldet bisher keine spürbaren Auswirkungen auf die Lieferketten.
Lage wird beobachtet
Große Marken wie Zara, Hennes & Mauritz (H&M) und Kik lassen in erheblichem Umfang in Bangladesch produzieren. Ein Sprecher von Kik berichtet, dass sich die Lage beruhigt habe und die Fabriken wieder geöffnet seien. Warenbestellungen seien langfristig geplant, sodass das volle Sortiment verfügbar bleibe. Auch H&M bestätigt, dass die meisten Fabriken wieder den Betrieb aufgenommen haben.
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Diversifikation zur Risikominimierung
Um die Abhängigkeit von einzelnen Produktionsstandorten zu minimieren, diversifizieren viele Modehersteller ihre Lieferketten. Der Modekonzern Hugo Boss will deshalb vermehrt in Europa und Amerika produzieren lassen. Intersport plant, seine Eigenmarken verstärkt in Europa und Nordafrika herstellen zu lassen, um schneller liefern zu können und unabhängiger von Asien zu werden.
Mit etwa 4.000 Textilfabriken und über vier Millionen Beschäftigten ist Bangladesch ein zentraler Akteur im globalen Textilmarkt.