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Energiewende

Atom-Pakt mit Frankreich: Serbien plant nuklearen Aufbruch

Atom-Pakt mit Frankreich: Serbien plant nuklearen Aufbruch
(FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Mit französischem Know-how und einer neuen Expertengruppe treibt Serbien seinen Einstieg in die Atomkraft voran. Die Weichen für die nukleare Zukunft sind gestellt.

Kernenergiepläne

Die serbische Energieministerin Dubravka Djedovic Handanovic hat heute die Ergebnisse einer wegweisenden Studie zur friedlichen Nutzung der Kernenergie in Serbien vorgestellt. Bei einem Treffen mit Vertretern des französischen Energieriesen EDF (Électricité de France) wurden konkrete Schritte für den möglichen Einstieg des Balkanlandes in die Nukleartechnologie präsentiert.

„Die vorläufige Studie gibt uns klare Richtlinien für notwendige Frühmaßnahmen und zeigt Infrastrukturprioritäten auf“, erklärte die Ministerin. Das Dokument liefere eine solide Grundlage für die effiziente Entwicklung eines Nuklearprogramms und umfasse Empfehlungen zu Zeitplänen sowie Möglichkeiten zur Integration in das bestehende Stromsystem. Auch verfügbare Technologien und Personalschulungsfragen wurden analysiert – stets orientiert an den Vorgaben der Internationalen Atomenergiebehörde und gestützt auf EDFs umfangreiche Erfahrung als weltweit führender Kernkraftbetreiber.

Expertenarbeitsgruppe

Um das ambitionierte Vorhaben voranzutreiben, wird derzeit eine interministerielle Expertenarbeitsgruppe für Kernenergie im Energieministerium gebildet. Diese soll sich aus Vertretern relevanter Ministerien, akademischer Einrichtungen und beteiligter öffentlicher Unternehmen zusammensetzen. „Diese Gruppe wird unter Befolgung internationaler Richtlinien die weitere Programmentwicklung koordinieren“, betonte Djedovic Handanovic.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Ministerium ein Memorandum mit fünf weiteren Ministerien sowie 20 Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und Energieunternehmen unterzeichnet. Ziel sei es, Fachkräfte aus dem In- und Ausland für die Entwicklung der friedlichen Kernenergienutzung zu gewinnen. „Wir werden besonderes Augenmerk auf die Entwicklung einer Strategie zur Förderung von Fachkräften legen und heimische Experten mit umfassender Erfahrung in der Nukleartechnologie gewinnen“, unterstrich die Ministerin.

Stromnetz-Integration

Die Studie enthält auch eine detaillierte Analyse zur Integration eines möglichen Kernkraftwerks in das serbische Stromsystem. „In jedem der vorgeschlagenen Szenarien würde die Einbindung von Kernreaktoren unser Übertragungsnetz nach vorläufigen Einschätzungen nicht gefährden“, erläuterte die Ministerin. In einem optimistischen Szenario könnte Serbien nach 2045 sogar zum Nettoexporteur von Strom werden – bei gleichzeitiger erheblicher Dekarbonisierung des Energiesektors.

Für die Durchführung der ersten beiden Phasen des Nuklearprogramms werden nach Schätzungen der französischen Partner etwa 30 Millionen Euro in den nächsten fünf bis sieben Jahren benötigt. Die Grundlage der Zusammenarbeit bildet eine Absichtserklärung zwischen der serbischen Regierung und EDF, die im vergangenen Jahr in Paris in Anwesenheit des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic unterzeichnet wurde.

Die Ministerin betonte, dass Serbien voraussichtlich fünf bis sieben Jahre für die Umsetzung der ersten beiden Phasen des Nuklearprogramms benötigen wird – stets im Einklang mit den Vorgaben der Internationalen Atomenergiebehörde.

„Die erste Phase umfasst die Prüfung der Rechtfertigung für die Entwicklung der Kernenergie, die Schaffung eines grundlegenden rechtlichen Rahmens sowie die Bildung einer für die Umsetzung zuständigen Stelle“, erläuterte sie.

Geteilte Meinungen in der Bevölkerung

Während die Regierung entschlossen voranschreitet, zeigt sich in der serbischen Bevölkerung ein gespaltenes Meinungsbild zu den Nuklearplänen. Umfragen deuten darauf hin, dass ein Teil der Bürger die Kernenergie als Chance für Energiesicherheit und wirtschaftlichen Aufschwung begrüßt. Besonders in urbanen Gebieten und unter jüngeren Serben gibt es jedoch erhebliche Vorbehalte.

Kritische Stimmen bemängeln vor allem die fehlende Transparenz und mangelnde Bürgerbeteiligung im Entscheidungsprozess. Dies spiegelt sich in wachsender Unterstützung für Protestaktionen und Petitionen gegen das Nuklearprogramm wider.

Widerstand von Umweltorganisationen

Die serbische Sektion von Greenpeace sowie die Initiative „Ne davimo Beograd“ (Lasst Belgrad nicht ertrinken) haben sich als entschiedene Gegner der Atomkraftpläne positioniert. Sie warnen vor Sicherheitsrisiken und ungelösten Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle.

Die Umweltverbände fordern stattdessen einen verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Transparenz bei der Entscheidungsfindung. Sie befürchten, dass die langfristigen ökologischen Risiken der Nukleartechnologie nicht ausreichend berücksichtigt werden und die Bevölkerung bei diesem zukunftsweisenden Projekt zu wenig eingebunden wird.

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KO KOSMO-Redaktion
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