Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Wachoperation

Oasis im OP-Saal: Patient greift bei offener Schädeldecke zur Gitarre

Oasis im OP-Saal: Patient greift bei offener Schädeldecke zur Gitarre
(FOTO: University Hospitals Plymouth NHS Trust)
3 Min. Lesezeit |

Mit Gitarrenklängen gegen den Hirntumor: Ein Brite spielte während seiner eigenen Gehirnoperation drei Songs, während Chirurgen den kiwigroßen Tumor entfernten.

Ein 44-jähriger Brite aus Plymouth kämpfte mit plötzlichen Sprachproblemen und intensiven Kopfschmerzen. Nach einem Kollaps in seiner Küche wurde Paul Welsh-Dalton umgehend medizinisch versorgt. Seine Ehefrau Tiff schilderte der New York Post den dramatischen Moment: „Die ganze rechte Seite von ihm ist einfach ausgefallen. Wir waren uns nicht sicher, ob es ein Schlaganfall war. Für einen Moment dachte ich, ich hätte ihn verloren.“ Medizinische Untersuchungen förderten eine beunruhigende Veränderung in seinem Gehirn zutage. Der Familienvater entschied sich für die chirurgische Entfernung des etwa kiwigroßen Tumors.

„Wir trafen uns mit dem Chirurgen, der die Operation durchführte, und ich erwähnte schon beim ersten Gespräch, wie wichtig mir die Gitarre ist – ich spiele seit 30 Jahren„, so Welsh-Dalton im Interview mit der New York Post. Der behandelnde Arzt machte daraufhin einen ungewöhnlichen Vorschlag: „Bringen Sie sie mit, und wir schauen, ob wir das irgendwie einbauen können.“

Musikalische Operation

Der unkonventionelle Eingriff am Gehirn des Briten beinhaltete das aktive Musizieren, um kritische Hirnregionen zu identifizieren und zu bewahren. Das medizinische Verfahren, bekannt als „Awake Craniotomy“, wurde im renommierten Derriford Hospital in Plymouth durchgeführt. Die Operation begann mit einer Vollnarkose zur Öffnung der Schädeldecke. Anschließend wurde Welsh-Dalton behutsam aus der Narkose geholt, sobald die Operateure die entscheidenden Gehirnbereiche erreicht hatten.

In diesem bewussten Zustand konnte er vollständig mit dem medizinischen Team interagieren. Da das Gehirngewebe selbst keine Schmerzempfindungen vermittelt, blieb der Eingriff für ihn schmerzfrei – Kopfhaut und Knochenbereich waren lokal anästhesiert. Der Patient interpretierte während des Eingriffs drei Musikstücke: „Wonderwall“ von Oasis, „Good Riddance“ von Green Day sowie „Tribute“ von Tenacious D.

@itvnews

Diese musikalische Begleitung ermöglichte den Chirurgen, seine neuronale Aktivität präzise zu überwachen und jene Areale zu identifizieren, die besonders geschont werden mussten, um zentrale Gehirnfunktionen zu erhalten. Das Awake Craniotomy-Verfahren wird standardmäßig bei Tumoren angewandt, die sich in der Nähe von Sprachzentren oder motorischen Regionen befinden. Die Musikdarbietung half dabei, motorische und sprachliche Fähigkeiten während des gesamten Eingriffs zu überwachen und zu erhalten. „Während der Operation an meinem Gehirn Gitarre zu spielen, war eine so surreale Erfahrung“, erinnerte sich der Krebspatient.

Behandlungserfolg

Die Operation verlief erfolgreich mit einer Entfernung von 98 Prozent des Tumorgewebes. Im Anschluss erhielt der Patient eine Strahlentherapie, gefolgt von einer neunmonatigen Chemotherapie, die im Oktober beginnen wird. Obwohl seine Krebserkrankung als nicht heilbar eingestuft wird, hat der chirurgische Eingriff ihm wertvolle Lebenszeit geschenkt.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen