Nach zwei Jahren Krieg zeichnet sich ein diplomatischer Durchbruch ab: Israel und Hamas haben sich auf erste Schritte zur Beendigung des Gaza-Konflikts geeinigt.
Im Nahostkonflikt zeichnet sich eine bedeutende Entwicklung ab: Israel und die Hamas haben sich in indirekten Verhandlungen auf erste wesentliche Punkte zur Beendigung des Gaza-Kriegs geeinigt. US-Präsident Donald Trump verkündete auf seiner Plattform Truth Social, dass die Vereinbarung die Freilassung der Geiseln sowie den Rückzug israelischer Truppen umfasst. „Alle Parteien werden fair behandelt“, erklärte der amerikanische Präsident.
Die Hamas bestätigte ihrerseits die erzielte Einigung. Laut einer Mitteilung der Terrororganisation beinhaltet die Vereinbarung ein Ende der militärischen Auseinandersetzungen im Gazastreifen, den Abzug israelischer Streitkräfte, Zugang für humanitäre Hilfslieferungen sowie einen Austausch von Geiseln und Gefangenen.
Zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Kriegs ist damit ein diplomatischer Durchbruch gelungen. Trump erklärte, man habe Einigkeit über die erste Phase des US-Friedensplans erzielt. Die Verhandlungen über Details fanden in Scharm el-Scheich statt. Der US-Präsident erwägt bereits einen Besuch in Israel am Wochenende, während Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Trump einlud, vor der Knesset (israelisches Parlament) zu sprechen.
Vermittlungsfortschritte
Der Sprecher des qatarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, betonte auf der Plattform X, dass das Abkommen zur ersten Phase einer Waffenruhe im Gazastreifen zu einer Beendigung des Krieges, zur Freilassung israelischer Geiseln und palästinensischer Gefangener sowie zur Einfuhr von Hilfsgütern führen werde. Die Details würden später bekanntgegeben. Katar nimmt eine zentrale Vermittlerrolle zwischen Israel und den Palästinensern ein.
Trump versicherte, alle Geiseln würden in naher Zukunft freikommen. Zudem werde Israel seine Truppen hinter eine vereinbarte Linie zurückziehen – erste Schritte in Richtung eines „starken, dauerhaften und ewigen Friedens“. Laut einem Bericht der „Times of Israel“ plant die israelische Regierung, am Donnerstag zusammenzukommen, um das Abkommen zu genehmigen.
Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf eine israelische Quelle, dass die Geiseln voraussichtlich am Wochenende freigelassen werden könnten. Trump hingegen nannte in einem Audio-Interview mit Fox News den Montag als wahrscheinlichen Termin.
Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen 20 am Leben sein sollen. Das Forum der Geisel-Familien bezeichnete die Einigung als „wichtigen und bedeutenden Schritt“, betonte jedoch: „Unser Kampf ist noch nicht vorbei und wird erst enden, wenn die letzte Geisel zurückgekehrt ist.“
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Offene Fragen
Der Plan des US-Präsidenten sieht vor, dass Israel im Gegenzug etwa 250 zu lebenslanger Haft verurteilte palästinensische Häftlinge sowie rund 1.700 nach dem 7. Oktober 2023 Inhaftierte freilässt. Trotz der angekündigten Geiselfreilassung bleiben zahlreiche Fragen offen.
Ein zentraler Knackpunkt des Friedensplans wurde bisher nicht thematisiert: die Entwaffnung von Terroristen im Gazastreifen. Trumps Plan sieht vor, dass Hamas-Mitglieder, die sich zu friedlicher Koexistenz verpflichten und ihre Waffen niederlegen, Amnestie erhalten, sobald alle Geiseln freigelassen sind.
US-Außenminister Marco Rubio betonte am Sonntag die Bedeutung dieses langfristigen Ziels: „Das wird schwierig sein, aber es ist entscheidend, denn ohne das wird es keinen dauerhaften Frieden geben.“ Die USA hatten den Verhandlungsprozess in zwei Phasen unterteilt: zunächst die Geiselfreilassung mit absoluter Priorität, dann eine zweite Phase zur langfristigen Friedenssicherung, einschließlich der Entwaffnung.
Ob der Friedensplan tatsächlich wie vorgesehen umgesetzt wird, bleibt fraglich. Die Hamas hatte zwar signalisiert, mit einer Übergangsregierung palästinensischer Technokraten unter internationaler Aufsicht einverstanden zu sein. Unklar blieb jedoch, ob sie damit auch der Forderung aus Trumps Friedensplan zustimmte, selbst keine Rolle mehr zu spielen.
UN-Generalsekretär António Guterres appellierte nach der Einigung an alle Beteiligten, „diese einmalige Gelegenheit“ für den Weg zu einer Zweistaatenlösung zu nutzen, die Israelis und Palästinensern ein Leben in Frieden und Sicherheit ermöglichen würde. „Noch nie stand so viel auf dem Spiel“, unterstrich er.
Die Zweistaatenlösung – ein unabhängiger palästinensischer Staat neben Israel – wird allerdings sowohl von Israels Ministerpräsident Netanjahu als auch von der Hamas abgelehnt.
Gemäß Trumps Plan sollen sich die israelischen Streitkräfte auf eine vereinbarte Linie zurückziehen, um die Geiselfreilassung vorzubereiten. Der genaue Verlauf dieser Linie blieb zunächst unklar. Netanjahu hatte zuletzt erklärt, das israelische Militär solle weiterhin strategisch wichtige Gebiete „tief im Gazastreifen“ kontrollieren.
Der Gaza-Krieg begann mit dem Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terrorgruppen auf Israel am 7. Oktober 2023. Dabei wurden rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israels militärische Reaktion führte laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde zum Tod von mehr als 67.000 Palästinensern.
Während in Ägypten weiter um ein Ende des Gazakriegs gerungen wird, droht Israels Ministerpräsident Netanjahu mit „vernichtenden Schlägen“.
Heute sollen Vertraute von Trump zu den Gesprächen stoßen. Auch der deutsche Außenminister ist vor Ort.