Der steirische Lederhersteller Wollsdorf Leder hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Für zwei Gesellschaften des Unternehmens mit Hauptsitz in Wollsdorf im Bezirk Weiz wurden Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Von der Insolvenz sind 365 Mitarbeiter sowie rund 660 Gläubiger betroffen. Als Hauptgrund für die wirtschaftliche Schieflage werden die Probleme in der Automobilzulieferbranche genannt.
Bei der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH stehen laut KSV1870 Aktiva von etwa 10,6 Millionen Euro Passiva von 26,7 Millionen Euro gegenüber. Die Holdinggesellschaft weist Aktiva von 320.000 Euro und Verbindlichkeiten von 32,2 Millionen Euro auf. Beide Unternehmen bieten ihren Gläubigern eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent an, die binnen zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans ausgezahlt werden soll.
Krise und Ursachen
Die Krise des Unternehmens begann nach Angaben des KSV1870 im September 2024 mit einem deutlichen Nachfragerückgang in der gesamten Wollsdorf-Gruppe. Der Lederhersteller ist stark von Bestellungen großer europäischer Erstausrüster (OEMs) abhängig. Obwohl sich die Auftragslage im Geschäftsjahr 2025 verbesserte, konnte das Umsatzniveau aus der Zeit vor der Automotive-Krise nicht mehr erreicht werden.
Das Unternehmen versuchte gegenzusteuern und handelte mit Lieferanten neue Preise für Rohhäute aus oder wechselte teilweise zu anderen Zulieferern. Im Frühjahr 2025 kam es jedoch zu erheblichen Lieferengpässen, da in Ungarn und der Slowakei zahlreiche Fälle von Maul- und Klauenseuche auftraten. Diese Probleme wirkten sich negativ auf die Qualität der gelieferten Waren und folglich auf die Produktion aus.
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Laut KSV1870 konnten die Qualitätsprobleme am österreichischen Standort nicht behoben werden. Eine den erforderlichen Standards entsprechende, gewinnbringende Produktion wäre nur durch eine Verlagerung nach Mexiko möglich gewesen. Trotz Restrukturierungsvereinbarungen mit Banken und Personalabbau scheiterten letztlich alle Sanierungsbemühungen.
Unternehmensstruktur
Die insolventen Unternehmen halten Beteiligungen an Tochtergesellschaften in mehreren Ländern, darunter Hongkong, Kroatien, Uruguay und Mexiko. Innerhalb der Unternehmensgruppe betreibt die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH den zentralen Produktionsstandort in Wollsdorf, der zur Gemeinde St. Ruprecht an der Raab in der Steiermark gehört. Dort werden Lederhäute gegerbt, zugerichtet und gefärbt.
Diese dienen einerseits als Vorprodukte für das konzerneigene Stanzwerk im kroatischen Varazdin, das die Automobil- und Flugzeugindustrie beliefert, andererseits als Endprodukte für Möbelhersteller. Der Standort Wollsdorf deckt die gesamte Produktionskette ab – von der rohen Rinderhaut bis zum fertigen Lederprodukt.
Die Wollsdorf-Gruppe hat sich vorwiegend auf die Herstellung von Autoleder spezialisiert und gilt als weltweiter Marktführer bei Lenkradbezügen aus Leder. Dieser Geschäftsbereich macht 81 Prozent des Umsatzes aus, wobei mehr als 60 Prozent der verarbeiteten Lederhäute für Lenkradbezüge verwendet werden. Zum Produktportfolio zählen außerdem Leder für Airbags, Instrumententafeln, Schaltknäufe sowie Sitz- und Türverkleidungen.
Der Großteil des Automotive-Umsatzes entfällt laut KSV1870 auf drei europäische Erstausrüster. Daneben produziert das Unternehmen auch Möbelleder (7 Prozent Umsatzanteil) und Flugzeugleder (6 Prozent), das sowohl von großen Fluggesellschaften als auch von Herstellern kleinerer Privatflugzeuge eingesetzt wird.
Die Finanzierung der angebotenen Sanierungsplanquote der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH soll durch Erträge aus dem laufenden Betrieb sowie durch Überschüsse aus der Verwertung nicht mehr benötigter Vermögenswerte erfolgen. Gegebenenfalls sind auch Beiträge von dritter Seite vorgesehen. Bei der Wollsdorf International GmbH ist geplant, die Sanierung durch den Verkauf von Beteiligungen sowie durch Zuschüsse aus der Gesellschaftersphäre zu finanzieren.
Brigitte Peissl-Schickmair, Leiterin der Unternehmensinsolvenz beim KSV in Graz, erklärte, dass die noch zu bestellenden Insolvenzverwalter nun prüfen müssen, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt und ob der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann.
Bei Insolvenzmeldungen werden häufig verschiedene Begriffe vermischt. Ein Konkurs bedeutet nicht zwangsläufig das Ende eines Unternehmens. Vielmehr zielen Insolvenzverfahren primär auf die Fortführung des Betriebs ab, sofern dies noch möglich ist.