Die Schweiz trauert: Während Kirchenglocken läuten und Staatsoberhäupter zusammenkommen, müssen sich die Barbetreiber von Crans-Montana erstmals vor Gericht verantworten.
Am Freitag hält die Schweiz einen nationalen Trauertag ab, um der Opfer des verheerenden Brandes im Wintersportort Crans-Montana zu gedenken. Eine zentrale Gedenkveranstaltung findet um 13.45 Uhr in Martigny statt, wie der Kanton Wallis mitteilt. Die Zeremonie würdigt nicht nur die 40 Todesopfer, sondern auch die etwa 120 meist schwer verletzten Personen. Landesweit werden um 14.00 Uhr die Kirchenglocken zum Gedenken an die Katastrophe der Silvesternacht läuten.
Zur Trauerfeier werden rund 1.000 Teilnehmer erwartet. Neben Angehörigen der Opfer und der Schweizer Regierungsspitze mit Präsident Guy Parmelin haben auch die Staatsoberhäupter der Nachbarländer ihr Kommen zugesagt. Die Präsidenten Frankreichs und Italiens, Emmanuel Macron und Sergio Mattarella, werden an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, da zahlreiche Opfer aus diesen Ländern stammen.
Das Feuer in der Bar „Le Constellation“ forderte neben zahlreichen Schweizer Opfern auch viele Todesopfer und Verletzte aus den angrenzenden Ländern Frankreich und Italien. Die meisten Verstorbenen waren Jugendliche und junge Erwachsene, wobei die jüngsten erst 14 Jahre alt waren. Nach derzeitigem Ermittlungsstand entzündete vermutlich eine Wunderkerze die Schaumstoffverkleidung an der Decke des Lokals.
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Laufende Ermittlungen
Die Untersuchungen dauern an: Die Eigentümer der Bar werden nun erstmals als Beschuldigte befragt, während parallel die italienischen Behörden eigene Untersuchungen einleiten. Am Freitagmorgen müssen sich die Barbetreiber in Sitten vor der Walliser Justiz verantworten. Es handelt sich dabei um ihre erste Vernehmung als Beschuldigte im Zusammenhang mit dem Brand in der Silvesternacht.
Die Staatsanwaltschaft in Rom hat ihrerseits ein Ermittlungsverfahren zum Brandunglück eingeleitet, bei dem sechs italienische Jugendliche ums Leben kamen. Die Ermittler haben Obduktionen der italienischen Opfer angeordnet, die bislang nicht durchgeführt wurden, wie italienische Medien berichten. Die römischen Strafverfolger prüfen mögliche Anklagen wegen fahrlässiger Tötung und Brandstiftung. Sie sind zuständig für die Untersuchung von Straftaten im Ausland, wenn italienische Staatsbürger betroffen sind.
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Forderungen
Die Eltern der sechs verstorbenen Italiener fordern die italienische Regierung auf, sich als Nebenklägerin an einem möglichen Verfahren gegen die Barbetreiber zu beteiligen. Elf schwerverletzte Italiener kämpfen derzeit noch im Mailänder Krankenhaus Niguarda mit schweren Brandverletzungen um ihr Leben.