Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Katastrophe

40 Tote im Luxus-Skiort: Bar-Chef mit Zuhälter-Vergangenheit

40 Tote im Luxus-Skiort: Bar-Chef mit Zuhälter-Vergangenheit
(FOTO: Privat)
2 Min. Lesezeit |

Wunderkerzen in Champagnerflaschen, eine brennende Kellerdecke und ein Barbetreiber mit krimineller Vergangenheit – hinter dem Inferno von Crans-Montana steckt eine brisante Geschichte.

In der Schweizer Luxus-Skiregion Crans-Montana hat sich eine der verheerendsten Brandkatastrophen der jüngeren Geschichte ereignet. 40 Menschen verloren ihr Leben, 119 weitere wurden verletzt, als die Bar „Le Constellation“ zur tödlichen Falle wurde. Auslöser waren Wunderkerzen in Champagnerflaschen, die die Kellerdecke in Brand setzten.

Die Schweizer Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud bestätigte, dass glühende Funken der Wunderkerzen, die zu nah an die Decke gehalten wurden, das verheerende Feuer auslösten. Im Fokus der Ermittlungen steht nun der Barbetreiber Jacques Moretti.

Morettis Vergangenheit

Der Franzose in seinen Sechzigern, der das „Le Constellation“ führte, ist für die Behörden kein Unbekannter. Wie französische Medien berichten, verbüßte Moretti bereits Haftstrafen wegen schwerwiegender Delikte. Laut Le Parisien wurde er wegen „Betrug, Entführung und Freiheitsberaubung“ verurteilt. Der Radiosender RTL berichtete zudem über seine Vergangenheit als Zuhälter.

2005 war Moretti in eine Entführung in Savoie verwickelt, wofür er eine Gefängnisstrafe absitzen musste. Trotz seiner belasteten Vergangenheit beteuert Moretti, seine Bar habe sämtliche Sicherheitsvorschriften eingehalten.

Lückenhafte Kontrollen

Die Ermittlungen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Das „Constellation“ wurde in den vergangenen zehn Jahren lediglich dreimal von Sicherheitsbeamten kontrolliert – obwohl die lokale Brandschutzverordnung in Artikel 8 jährliche Inspektionen vorschreibt. Neben dem „Constellation“ besitzt Moretti zwei weitere Lokale in Crans-Montana.

In der Unglücksnacht war er selbst nicht anwesend, seine etwa 40-jährige Ehefrau Jessica erlitt bei dem Brand Verletzungen am Arm. Die Schweizer Behörden haben Ermittlungen wegen „fahrlässiger Brandstiftung“ und „fahrlässiger Tötung“ eingeleitet. Bislang wurden weder Jacques noch Jessica Moretti formell angeklagt – beide können sich frei bewegen.

⇢ Crans-Montana: Behörden identifizieren erste Todesopfer

Von ihren Rechtsvertretern gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Der tragische Vorfall weckt Erinnerungen an eine ähnliche Katastrophe in Rouen. Im August 2016 kamen im Club „Cuba Libre“ 14 Menschen ums Leben, als ebenfalls Wunderkerzen einen Brand auslösten.

⇢ 1000 Grad in Sekunden: Auf Flammeninferno folgt Suche nach Antworten

Jugendliche wurden im Keller eingeschlossen und fanden keinen Ausweg. Die Betreiber wurden 2019 zu fünf Jahren Haft verurteilt, davon zwei Jahre auf Bewährung.

Johnny Autin, der bei diesem Unglück seine Tochter verlor, fordert seitdem vehement strengere Kontrollen und härtere Strafen für Lokalbetreiber, die Sicherheitsvorschriften missachten.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen