Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Love-Scam

Vier Mal auf Fake-Promis reingefallen: Zweifache Mutter verliert Haus und Auto

Vier Mal auf Fake-Promis reingefallen: Zweifache Mutter verliert Haus und Auto
FOTO: iStock/EyeEm Mobile GmbH
4 Min. Lesezeit |

Jennifer B. verlor alles durch Promi-Betrüger. Die 44-jährige NHS-Mitarbeiterin (Nationaler Gesundheitsdienst Großbritanniens) fiel gleich vier Mal auf Betrüger herein, die sich als bekannte Schauspieler und Musiker ausgaben und ihr Liebe vorspielten. Am Ende verkaufte sie sogar ihr Haus und Auto – heute lebt sie in einer Wohngemeinschaft und wartet auf eine Notunterkunft.

Die verhängnisvolle Geschichte begann, als ein vermeintlicher Instagram-Account des „Vikings“-Darstellers Alexander Ludwig Kontakt zu ihr aufnahm. „Anfangs war es nur alltäglicher Austausch mit etwas Flirterei“, erinnert sich B.. Doch schon nach wenigen Wochen folgten die ersten Geldforderungen. „Nach etwa einem Monat bat er um rund 3.000 Pfund für angebliche Gerichtskosten.“ Innerhalb eines Jahres überwies sie dem Betrüger insgesamt 12.000 Pfund – die Hälfte davon in Bitcoin.

⇢ Falscher Jemen-Doktor: So fielen Opfer auf die Liebesfalle herein

Die Betrüger arbeiteten mit ausgeklügelten emotionalen Manipulationstaktiken. „Sie kontaktierten mich über Facebook und Instagram, behaupteten, Prominente zu sein, und äußerten den Wunsch, mich zu treffen“, schildert Jennifer. Die Kommunikation verlagerte sich schnell auf Telegram, „weil es angeblich privater sei“. Die vorgetäuschten Prominenten erzählten von chaotischen Scheidungen und finanziellen Notlagen. „Es war eine Ausrede nach der anderen – einer sei verhaftet worden, ein anderer aus seinem Vertrag entlassen, ein weiterer in London ausgeraubt worden.“ Die emotionale Manipulation ging tief: „Alle beteuerten, sie würden mich lieben, wollten mich heiraten und nach England kommen, um bei mir zu sein.“

B. gesteht offen ihre emotionale Abhängigkeit: „Es entsteht eine Art Sucht, wenn dir jemand Aufmerksamkeit schenkt – selbst wenn es ein Betrüger ist, fühlt es sich gut an. Sie spielen mit deinen Gefühlen.“ Als sie Fotos ihres vermeintlichen Partners mit seiner Ehefrau auf Instagram entdeckte und ihn damit konfrontierte, wiegelte er ab: „Glaub nicht alles, was du in sozialen Medien siehst.“

Dramatische Verluste

Der finanzielle Schaden nahm dramatische Ausmaße an. Im Vorjahr brachte ein weiterer Ludwig-Imitator sie um mehr als 100.000 Pfund – unter dem Vorwand, den ursprünglichen Betrüger „fassen“ zu wollen. Ein falscher Charlie Hunnam flog bei einem Videoanruf auf, als sein Akzent nicht zum echten Schauspieler passte. Der verheerendste Betrug kam durch einen angeblichen US-Sänger Michael Ray. „Er schickte mir ein Bild, das mit seinem Instagram-Profil übereinstimmte“, erinnert sich Barton. „Er behauptete, eine Wohltätigkeitsorganisation zu haben, die meine Rechnungen für einige Monate übernehmen könnte – ich müsste nur etwas Geld vorstrecken.“ Statt der versprochenen 140.000 Pfund Unterstützung plünderte er ihre gesamten Finanzen.

Die verzweifelte Frau verkaufte schließlich ihr Haus. „Ich bekam 111.000 Pfund dafür und abgesehen von etwas Geld für ein Hotel und einen Mietwagen ging fast alles an ihn. Er versprach mir, ich könnte mir davon ein neues Haus kaufen, und versicherte, dass alles gut werden würde.“ Erst kurz vor Weihnachten erkannte B. die bittere Wahrheit, als der vermeintliche Sänger sich beharrlich weigerte, sie persönlich zu treffen.

Warnung an andere

Heute warnt die Betrogene andere vor den Gefahren solcher Online-Liebesbetrügereien. „Mir ist das Geld ausgegangen, ich bin derzeit obdachlos“, sagt sie. „Wer in eine ähnliche Situation gerät: Wendet euch an Familie und Freunde – besonders wenn jemand euch um Geld bittet.“ Die Erinnerung an die Täuschung ist besonders schmerzhaft, da einer der Betrüger ihr sogar Geschenke schickte – darunter ein Leinwandbild und einen Becher mit seinem Gesicht darauf.

Die britische Behörde Action Fraud prüft B.s Fall im Rahmen ihres Betrugsanalysedienstes. Zudem hat sie die Kanzlei CEL Solicitors eingeschaltet, um möglicherweise einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen. Deren Geschäftsführerin Jessica Hampson betont: „Solche Fälle sind viel häufiger, als die Menschen denken. Man glaubt leicht, dass einem selbst so etwas nie passieren könnte, aber die Wahrheit ist: Diese Betrüger sind Meister darin, Emotionen und Ängste auszunutzen.

Sie manipulieren Vertrauen und bauen langsam die Abwehrmechanismen ihrer Opfer ab. Es geht nicht nur um Geld – die emotionale Belastung eines solchen Betrugs kann genauso verheerend sein wie der finanzielle Verlust.“

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen