Dramatische Bilanz bei unseren deutschen Nachbarn: Mehr als jedes vierte Schulkind scheitert bereits in der ersten Klasse. Die Ursache liegt vor allem in mangelnden Deutschkenntnissen.
In Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) muss mehr als ein Viertel aller Erstklässler das Schuljahr wiederholen. Diese alarmierenden Zahlen werfen Fragen auf, insbesondere wegen der erheblichen Sprachdefizite vieler Kinder. An der Grundschule Georgstraße im Stadtbezirk Gelsenkirchen-Mitte konnten 40 von etwa 150 Schulanfängern nicht in die zweite Klasse aufsteigen. Im Vorjahr betraf dies bereits 32 Kinder, wie aus einem Bericht der „Bild“-Zeitung hervorgeht. Die Situation stellt sich an anderen Volksschulen der Stadt deutlich besser dar: Dort müssen lediglich 14 beziehungsweise 12 Kinder das erste Schuljahr wiederholen.
Stadtweit sind insgesamt 281 Erstklässler vom Sitzenbleiben betroffen. Für das kommende Schuljahr 2026/27 liegen 2.906 Anmeldungen vor. Theoretisch reicht die Gesamtkapazität von 3.010 Plätzen aus, dennoch müssen in dichter besiedelten Stadtteilen zusätzliche Klassenverbände geschaffen werden.
Sprachliche Hürden
Als Hauptursache für die besonders kritische Situation im Bezirk Gelsenkirchen-Mitte gilt der hohe Anteil an Zuwandererfamilien. „Es gibt dort viele Kinder, die noch nicht einmal über das sprachliche Grundgerüst verfügen“, erklärte Stadträtin Anne Heselhaus gegenüber der WAZ. Mangelnde Deutschkenntnisse stellen für die betroffenen Kinder eine erhebliche Hürde beim Schulstart dar.
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Nordrhein-Westfalen hat mit der sogenannten Schuleingangsphase (SEP) ein Modell etabliert, das unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Sprachkenntnisse ausgleichen soll. Diese flexible Phase kann zwischen einem und drei Jahren dauern, wobei zwei Jahre als Standard gelten. Formal wird dies nicht als Klassenwiederholung gewertet.
Lösungsansätze
Die verantwortliche Dezernentin unterstreicht die Notwendigkeit frühzeitiger Sprachförderung. Idealerweise sollten Kinder bereits mit drei oder vier Jahren in Kindertagesstätten Deutsch lernen können. Als möglichen Lösungsansatz schlägt sie eine verpflichtende Kindergartenbetreuung vor.
Eine solche Maßnahme würde allerdings eine Änderung des nordrhein-westfälischen Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) erfordern.