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Bildungsrevolution

Digitale Zauberei: Wie eine Harry-Potter-Klasse das Lernen neu erfindet

Digitale Zauberei: Wie eine Harry-Potter-Klasse das Lernen neu erfindet
(istockphoto: iPad)
4 Min. Lesezeit |

Während andere Erstklässler zu Stift und Papier greifen, zücken Melanie Ritters Schüler ihre Tablets. Die Wiener Pädagogin revolutioniert den Volksschulunterricht mit digitaler Bildung.

In der Volksschule Attemsgasse in Wien-Donaustadt läutet um acht Uhr die Schulglocke. Während in anderen Klassenzimmern Hefte und Stifte zum Einsatz kommen, greifen die 25 Kinder in Melanie Ritters Unterricht zu ihren Tablets. Die Pädagogin setzt bereits ab der ersten Klasse konsequent auf digitale Geräte. „Die Volksschule ist der perfekte Zeitpunkt, um den Grundbaustein zu legen“, erklärt Ritter. Ihr Ziel: Die Kinder sollen frühzeitig lernen, sich in der digitalen Welt selbstbewusst, sinnvoll und verantwortungsvoll zu bewegen.

Das Tablet hat in allen Unterrichtsfächern seinen festen Platz gefunden. „Es ist ein wichtiges Werkzeug, das eigentlich täglich eingebettet wird“, sagt die Lehrerin. Zum Einsatz kommen verschiedenste Anwendungen – von Lern-Apps über Übersetzer bis hin zu kreativen Programmen. Besonders beliebt bei den Kindern sind die von Ritter organisierten digitalen Rätselrallyes.

Die Begeisterung der Schüler ist spürbar: Die neunjährige Hanna schätzt besonders „die Rätselrallyes und die Sprachtools“, während Rengin (8) mit Vorliebe Bildcollagen erstellt und Quizzes löst. Armin (10) und Lara (9) nutzen gerne Sprachlern-Apps wie „Duolingo“ und die Lernplattform „Anton“. Auch Google steht hoch im Kurs – „Damit kann man viel recherchieren, fotografieren und scannen“, schwärmt Lara. In einem Punkt sind sich alle einig: Mit iPad macht der Unterricht mehr Freude.

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Digitale Balance

Trotz aller Technikbegeisterung betont Ritter die Ausgewogenheit ihres Konzepts. „Wir versuchen immer einen guten Mix aus digitalen und analogen Werkzeugen zu finden“, erklärt die Pädagogin, die seit acht Jahren an der Volksschule in Wien-Donaustadt unterrichtet. Aktuell leitet sie ihre zweite 4. Klasse, die nicht ohne Grund als „Harry-Potter-Klasse“ bekannt ist. Als großer Fan der Zaubererwelt hat Ritter das Thema in den Schulalltag integriert: Die Schüler sind in die vier Hogwarts-Häuser eingeteilt, von der Decke hängen schwebende Kerzen und ein Besen.

Den Einstieg in die digitale Welt wagt Ritter bewusst vom ersten Schultag an. „Weil ich den Kindern von Beginn an zeigen möchte, wie wichtig ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Werkzeugen ist.“ An ihrer Schule nimmt sie damit noch eine Vorreiterrolle ein, erhält jedoch volle Unterstützung der Direktion. Mittlerweile verfügt die Schule über einen Klassensatz von fast 25 iPads, die auch anderen Lehrkräften zur Verfügung stehen.

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Im Gegensatz zu Mobiltelefonen, die in der Schule verboten sind, dürfen die Tablets sowohl im Unterricht als auch während der Freiarbeit genutzt werden. Ritter räumt ein, dass die Vorbereitung nicht weniger zeitaufwendig ist. „Aber der Unterricht wird dadurch flexibler und moderner.“ Über eine spezielle Anwendung behält sie stets den Überblick über die Aktivitäten der Kinder und kann bei Bedarf bestimmte Seiten oder Apps sperren. „Das war bisher nur einmal nötig – danach wussten die Kinder, dass ich wirklich alles sehe“, erzählt sie mit einem Schmunzeln.

Prävention wichtig

Da Cybermobbing an vielen Schulen zunehmend problematisch wird, legt Ritter besonderen Wert auf Präventionsarbeit. Mit ihren Schülern besucht sie regelmäßig Workshops zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und dem Internet. „Viele Kinder haben heute schon mit sieben oder acht Jahren ein eigenes Handy. Da ist es Aufgabe der Schule, sie gut zu begleiten, damit die Nutzung nicht außer Kontrolle gerät“, unterstreicht die Pädagogin.

Unter dem Namen „Volksschulzauberin“ teilt die engagierte Lehrerin auf Instagram Einblicke in ihren Berufsalltag. Sie präsentiert Unterrichtsideen, Klassenprojekte und authentische Momente aus dem Schulalltag – und erreicht damit zahlreiche Eltern und Kollegen. Ritter setzt sich für eine Modernisierung des Volksschulunterrichts ein, betont jedoch die Notwendigkeit finanzieller Unterstützung, etwa durch die Schulbuchaktion des Bundes, wie es in anderen Ländern bereits praktiziert wird.

Derzeit können nur Schwerpunktklassen mit iPads arbeiten, bei denen die Eltern die Geräte vollständig selbst finanzieren – anders als in der Sekundarstufe 1, wo die Geräte größtenteils aus Bundesmitteln über die Gerätinitiative bezahlt werden. „In der Volksschule gibt es für digitale Endgeräte keine speziellen Förderungen. Das wäre wichtig – für Schulen, Eltern und Lehrpersonen, damit alle freier arbeiten und zeitgemäße Lerninhalte nutzen können, unabhängig von der ökonomischen Lage der Eltern“, fordert Ritter.

Digitale Bildungswochen: Die Fortbildungsreihe ist kostenfrei und richtet sich an Lehrer und Eltern. Mit Tipps, Tools und kreativen Ideen aus der Praxis zur frühkindlichen Förderung über die Grundschule bis zum Abitur. Interessierte erhalten Impulse für den digitalen Schulalltag.

Wann: 26. Jänner bis 13. Februar Infos: www.digitalebildungswochen.online

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KO KOSMO-Redaktion
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