Eine Idee, Jahre gereift, jetzt endlich im Einsatz: Arsène Wengers Abseitsreform bekommt ihren ersten echten Praxistest.
Arsène Wenger verfolgt sein Ziel einer reformierten Abseitsregel seit Jahren – nun bekommt seine Idee endlich die Chance auf einen Praxistest. Seit 2019 setzt sich der frühere Arsenal-Trainer dafür ein, das Abseits neu zu definieren: Statt millimetergenauer Linien soll künftig eine sogenannte „Tageslichtdistanz“ darüber entscheiden, ob ein Angreifer tatsächlich im Vorteil gegenüber dem letzten Verteidiger ist. Minimalste Körperteile, die heute per Videobeweis über die Gültigkeit eines Tores entscheiden, wären damit Geschichte.
Das erklärte Ziel des Franzosen: mehr Tore, mehr Spielfluss. Den Ursprung seiner Überlegungen verortet Wenger übrigens ganz konkret: „Das war 1990, als es bei der Weltmeisterschaft in Italien nicht viele Tore gab. Wir haben damals entschieden, dass kein Abseits vorliegt, wenn man sich auf gleicher Höhe mit dem Verteidiger befindet“, erklärte er.
Praxistest in Kanada
Den ersten Praxistest erlebt das Modell nun in der Canadian Premier League – ein bedeutsamer Schritt in der seit Jahren schwelenden Debatte rund um Regelreformen und den Einsatz der VAR-Technologie. Im Kern geht es darum, die Abseitsauslegung zu entschlacken: Das Spiel soll dynamischer werden, befreit von jenen hauchdünnen Grenzfällen, die Fans und Experten gleichermaßen in Aufruhr versetzen. Kaum eine Regelszene sorgt im modernen Fußball für mehr Unmut als das Abseits – besonders in entscheidenden Partien, wo ein Zentimeter über Jubel oder Frust entscheidet.
Geteilte Meinungen
Die Meinungen über den Vorschlag gehen erwartungsgemäß auseinander. Befürworter sehen darin die Möglichkeit, das Spiel zu beschleunigen und langwierige VAR-Überprüfungen zu reduzieren. Kritiker hingegen halten am bestehenden System fest, das ihrer Ansicht nach präzisere Entscheidungen ermöglicht.
Wenger selbst bringt seine Position klar auf den Punkt: „Im Zweifelsfall geht der Zweifel zugunsten des Angreifers. Das bedeutet, dass bei einem minimalen Unterschied der Angreifer im Vorteil ist. Mit dem VAR ist dieser Vorteil verschwunden – und das frustriert viele. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass man nicht im Abseits ist, solange sich irgendein Teil des Körpers auf gleicher Höhe mit dem Verteidiger befindet.“