Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Vorwürfe

Ich war 13″: Missbrauch durch Ex-ORF-Moderator – Frau bricht ihr Schweigen

Ich war 13″: Missbrauch durch Ex-ORF-Moderator – Frau bricht ihr Schweigen
FOTO: iStock/Alexey_M
4 Min. Lesezeit |

Eine zufällige Begegnung in Wien bricht auf, was Jahrzehnte verborgen blieb – und endet vor Gericht mit einem bitteren Urteil.

Ein kurzer, zufälliger Moment – und plötzlich bricht eine Welt auf, die Julia F. (Name von der Redaktion geändert) jahrzehntelang tief in sich vergraben hatte. Im Jahr 2023 begegnet sie in einer Wiener Pizzeria einem Mann, den sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Diese unerwartete Begegnung reißt Erinnerungen auf, die sie längst verdrängt geglaubt hatte.

Der Ursprung dieser Geschichte liegt laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ im Jahr 1985. Als Teenager verehrt Julia F. einen internationalen Popstar und hofft über eine ORF-Aktion auf eine persönliche Begegnung mit ihm. Tatsächlich meldet sich ein Mitarbeiter des Senders telefonisch bei ihr und stellt ihr eine Teilnahme in Aussicht.

Das Konzert wird jedoch abgesagt – stattdessen erhält sie die Gelegenheit, den Sender selbst zu besuchen. Der Ex-ORF-Moderator führt sie durch Studios und zeigt ihr die Abläufe hinter den Kulissen. Für die damals 13-Jährige öffnet sich damit eine völlig neue, faszinierende Welt. Einige Wochen später nimmt er erneut Kontakt zu ihr auf und lädt sie in eine Privatwohnung ein, wie es in dem Bericht heißt.

Schwere Vorwürfe

Was sich dort ihren Angaben zufolge zugetragen haben soll, hat Julia F. viele Jahre später in einem Gedächtnisprotokoll festgehalten, das auch Bestandteil des Gerichtsverfahrens ist. Die „Kronen Zeitung“ zitiert daraus: „Dann habe sich der Beklagte zur Couch begeben und der Klägerin befohlen, zu ihm zu kommen, sich vor ihn hinzuknien und … in den Mund zu nehmen. Die damals 13-jährige Klägerin habe zu diesem Zeitpunkt noch über keinerlei sexuelle Erfahrung verfügt; auf Grund des aggressiven Befehlstons des Angeklagten habe sie Angst bekommen, sodass sie der Aufforderung des Beklagten vorerst nachgekommen sei.“

Und weiter: „Die Klägerin habe nach kurzer Zeit den Oralverkehr mit dem Kläger beenden wollen, indem sie versucht habe, ihren Kopf zurückzuziehen, was der Beklagte aber nicht zugelassen habe. Er habe die Klägerin an deren Hinterkopf und Haaren unter Anwendung von für die damals 13-Jährige unüberwindbarer Kraft gegen seine Hüften gezogen, sodass die Klägerin … nicht aus dem Mund nehmen konnte.“ Laut der Tageszeitung findet sich in der Entscheidung außerdem die Feststellung: „Schließlich habe der Beklagte von der Klägerin abgelassen und ihr befohlen, sich anzuziehen.“

Heute ist Julia F. 54 Jahre alt, beruflich in einer Kanzlei tätig, verheiratet und Mutter eines Kindes. Was sie als 13-Jährige erlebt haben will, verfolgt sie bis heute. Ihre Vorwürfe richten sich gegen einen ehemaligen ORF-Mitarbeiter, der in Österreich einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Über seinen Anwalt weist der Mann alle Anschuldigungen zurück.

Klage abgewiesen

Im Jahr 2024 kommt es in einer Wiener Anwaltskanzlei zu einem Gespräch, bei dem beide Seiten vertreten sind – ohne Ergebnis. Im Jänner 2025 reicht Julia F. schließlich Klage ein und fordert 7.830 Euro Schadenersatz. Einen Monat darauf wird der Fall vor dem Wiener Bezirksgericht verhandelt, wie die „Krone“ berichtet.

Das Gericht weist die Klage ab – allerdings nicht, weil es an der Glaubwürdigkeit der Klägerin zweifelt, sondern weil die Ansprüche verjährt sind. Das österreichische Recht sieht für derartige Forderungen eine Höchstfrist von 30 Jahren vor, die in diesem Fall längst verstrichen war.

Julia F. befindet sich mittlerweile in therapeutischer Behandlung und spricht nun erstmals öffentlich über das, was sie erlebt haben will. Ihr Anliegen dabei ist klar: Andere Betroffene sollen nicht so lange warten wie sie, sondern frühzeitig Hilfe suchen und rechtzeitig rechtliche Schritte einleiten.

Für den ehemaligen ORF-Mitarbeiter gilt die Unschuldsvermutung.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen