Ein Paket wird geliefert – und eine Katze verschwindet. Der Fall sorgt für Schlagzeilen, doch die Wahrheit ist komplizierter als gedacht.
Ein Lieferfahrer im Dienst des Online-Versandriesen Amazon soll in Bakersfield, Kalifornien, die Katze eines Kunden gestohlen haben. Videoaufnahmen, die den Vorfall dokumentieren, belasten den Mann schwer: Zunächst ist darauf zu sehen, wie die Katze namens Junie vor dem Haus liegt. Der Fahrer kommt um die Hausecke, legt das Paket ab, streichelt das Tier – und trägt es schließlich aus dem Bild.
Zwei weitere Überwachungskameras zeigen ihn anschließend auf dem Weg zu seinem Lieferwagen, die Katze unter den Arm geklemmt, Pfoten und Kopf vorne, der Schwanz hinten herausragend.
Virales Video
Wie der lokale Fernsehsender KGET berichtete, ereignete sich der Vorfall bereits Mitte Mai, als Brenda Wilson aus Bakersfield ein Paket bestellte. Ihr Haus und das Grundstück sind mit mehreren Kameras gesichert. Den rund 90 Sekunden langen Mitschnitt stellte Wilson ins Internet, wo er sich rasch verbreitete und schließlich von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde.
Gegenüber KGET äußerte sich die Katzenbesitzerin fassungslos: „Ich kann einfach nicht glauben, dass jemand die Frechheit besitzt, so etwas zu tun. Ich bin wirklich fassungslos.“ Die Familie Wilson hält Junie seit dem Jahr 2022 und vermisst das zutrauliche Tier sehr. „Ich hätte mir gewünscht, sie hätte sich gewehrt. Aber das liegt einfach nicht in ihrer Natur.“
Wilson erstattete Anzeige bei der Polizei, die bestätigte, wegen Katzendiebstahls zu ermitteln. Auch Amazon meldete sich zu Wort und wies darauf hin, dass der betreffende Fahrer über ein Partnerunternehmen beschäftigt sei. „Wir prüfen den Sachverhalt und arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen zusammen“, erklärte ein Unternehmenssprecher.
Unerwartete Wendung
Der Familie Wilson geht es vor allem darum, ihr Tier zurückzubekommen. „Sie könnten Junie einfach in der Einfahrt absetzen. Junie weiß dann schon, was zu tun ist, und kommt über die Garage ins Haus.“ Das Personalpronomen „sie“ sollte dem Fall rund eine Woche später eine unerwartete Wendung geben: In einem weiteren Beitrag im Internet beschuldigte Brenda Wilson nicht mehr den Lieferfahrer, sondern einen ehemaligen Nachbarn des Diebstahls.
Wilson zufolge soll der Amazon-Fahrer mehrere Monate lang im Nachbarhaus gewohnt haben. „Mit seiner Ehefrau Jessica hatte ich ein paar Mal Streit“, so Wilson. Das Paar sei der Überzeugung, dass Junie ihnen gehöre. „Aber ich kann beweisen, dass wir Junie schon seit Jahren hatten, bevor dieses Paar bei uns gewohnt hat.“