Abschuss erlaubt, Fleisch freigegeben: Die Slowakei plant einen radikalen Umgang mit ihren Braunbären.
In der Slowakei ist die Braunbärenpopulation auf rund 1.200 Tiere angewachsen – so zumindest die offiziellen Schätzungen. Unabhängige Schätzungen aus dem Jahr 2024 gehen von rund 1.300 Braunbären aus, wobei Umwelt- und Naturschutzexperten darauf hinweisen, dass diese Population als relativ stabil gilt. Die Tiere genießen ganzjährigen Schutzstatus, können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen abgeschossen werden, wenn von ihnen eine Gefahr für Menschen ausgeht. Zu Zwischenfällen kommt es dabei immer wieder: Zuletzt wurde ein 49-jähriger Mann von einer Bärin schwer verletzt.
Unter dem Druck von Jägerverbänden und regionalen Politikern beschloss die Regierung im April, bis zu 350 als problematisch eingestufte Tiere zu erlegen. Nach Angaben von Umweltstaatssekretär Filip Kuffa wurden bislang jedoch erst 23 Bären mit Unterstützung der Armee tatsächlich abgeschossen. Kuffa selbst zählt zu den vehementesten Befürwortern der umstrittenen Abschusspläne.
Fleisch statt Entsorgung
Das Umweltministerium will nun einen weiteren Schritt gehen: Statt die Kadaver der erlegten Tiere weiterhin zu vernichten, soll deren Fleisch künftig für den menschlichen Verzehr freigegeben werden. Staatssekretär Kuffa bezeichnete die bisherige Praxis der Entsorgung als Verschwendung. Er kündigte an, dass Bärenfleisch grundsätzlich verzehrbar sei und jedes Tier, das die entsprechenden Voraussetzungen erfülle, zukünftig auf den Tisch kommen dürfe.
Mitarbeiter des Ministeriums hätten bereits begonnen, Lizenzen für die Weitergabe an Gastronomiebetriebe auszustellen. Händler sind dabei verpflichtet, entsprechende Zertifikate zu beantragen, die den legalen Abschuss des jeweiligen Tieres belegen.
Politischer Widerstand
Der Vorstoß stößt auf deutlichen Widerstand. Die liberale Oppositionsabgeordnete Tamara Stohlova warf Kuffa gegenüber der Nachrichtenagentur TASR vor, „aus dem Umweltministerium eine Fleischerei“ zu machen.
Die rechtliche Grundlage für den Abschuss von Braunbären in der Slowakei ist die EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, nach der der Braunbär als streng geschützte Art gilt und Abschüsse nur in Ausnahmefällen und als letztes Mittel zulässig sind, wenn keine andere Lösung zur Konfliktbewältigung besteht.
Braunbären, die in der Slowakei als gefährlich eingestuft und daraufhin abgeschossen werden, könnten damit schon bald auf den Speisekarten heimischer Restaurants erscheinen.