Keine Reise in ein Malariagebiet – und trotzdem infiziert: Am Frankfurter Flughafen sind vier Beschäftigte an Malaria erkrankt.
Am Flughafen Frankfurt am Main sind vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Malaria tropica erkrankt. Die Erkrankungen traten zwischen dem 4. und 6. Juli 2026 auf. Bei den Betroffenen wurde der besonders gefährliche Malariaerreger Plasmodium falciparum nachgewiesen.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts hatten die Erkrankten zuvor keine Reise in ein Malariaendemiegebiet unternommen. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass die Infektionen durch eine Anophelesmücke verursacht wurden, die mit einem Flugzeug nach Deutschland eingeschleppt worden war. Der genaue Übertragungsweg ist allerdings noch Gegenstand der laufenden Untersuchungen.
Malaria tritt in Deutschland nahezu ausschließlich bei Menschen auf, die sich zuvor in einem betroffenen Land aufgehalten haben. Die sogenannten Flughafenmalaria-Fälle bilden daher eine seltene Ausnahme. Dabei werden infizierte Mücken vermutlich mit Passagier- oder Frachtflugzeugen aus Malariagebieten eingeschleppt und übertragen die Krankheit anschließend auf Menschen in der Nähe des Flughafens.
145 Fälle in Europa dokumentiert
Eine im Jahr 2024 veröffentlichte Studie erfasste anhand von Daten und Publikationen aus dem Zeitraum zwischen 1969 und Jänner 2024 insgesamt 145 Fälle von Flughafen- und Gepäckmalaria in neun europäischen Ländern. Davon wurden 105 Erkrankungen als Flughafenmalaria und 32 als Gepäckmalaria eingestuft. Bei acht weiteren Fällen war keine eindeutige Zuordnung möglich.
In Deutschland wurden in diesem Zeitraum neun Fälle von Flughafenmalaria dokumentiert. Für die Betroffenen besteht ein besonderes Risiko, da Malaria ohne vorangegangene Reise in ein Endemiegebiet häufig zunächst nicht als mögliche Ursache der Beschwerden erkannt wird. Eine verspätete Diagnose kann jedoch das Risiko eines schweren oder sogar lebensbedrohlichen Krankheitsverlaufs erhöhen.
Appell an Mediziner
Das RKI appelliert deshalb an Ärztinnen und Ärzte, insbesondere während der Sommermonate auch ohne entsprechende Reisegeschichte an eine mögliche Flughafenmalaria zu denken. Das gilt vor allem bei Patientinnen und Patienten, die an Flughäfen mit interkontinentalen Passagier- oder Frachtverbindungen oder in deren unmittelbarer Umgebung arbeiten.
Der bislang letzte bekannte Fall einer Flughafenmalaria in Deutschland war im Jahr 2023 ebenfalls am Frankfurter Flughafen dokumentiert worden. Die vier aktuellen Erkrankungsfälle werden derzeit vom Gesundheitsamt Frankfurt untersucht.
Das RKI stuft das gemeinsame Auftreten mehrerer Erkrankungen als besonderes Ereignis ein. Ärztinnen und Ärzte sollten bei Flughafenbeschäftigten mit ungeklärtem Fieber deshalb auch dann eine Malariaerkrankung in Betracht ziehen, wenn keine kürzliche Reise in ein Malariagebiet bekannt ist.