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Sprachverlust

Verstehen alles, sprechen nur Deutsch: Verliert die Diaspora ihre Sprache?

Verstehen alles, sprechen nur Deutsch: Verliert die Diaspora ihre Sprache?
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Oma spricht Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch – das Enkelkind versteht jedes Wort, antwortet aber auf Deutsch. Was in vielen Familien längst Alltag ist, sorgt zunehmend für eine Frage: Geht der nächsten Generation die Sprache verloren?

„Jesi gladan?“ – „Nein, ich habe schon gegessen.“ Solche Gespräche kennt wohl fast jede Familie aus der Diaspora. Die Eltern oder Großeltern sprechen BKS, die Kinder verstehen alles – antworten aber fast automatisch auf Deutsch.

Was zunächst harmlos wirkt, kann langfristig Folgen haben. Denn Sprache ist für viele Familien weit mehr als nur Kommunikation: Sie verbindet mit Großeltern, Verwandten, Erinnerungen und der eigenen Herkunft.

Deutsch übernimmt

Für Kinder, die in Österreich geboren werden, ist Deutsch meist die stärkste Alltagssprache. Im Kindergarten, in der Schule, mit Freunden, beim Sport oder später im Beruf – fast alles findet auf Deutsch statt.

Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch bleibt häufig auf das Zuhause beschränkt. Und selbst dort verschiebt sich das Verhältnis: Geschwister sprechen untereinander Deutsch, Eltern wechseln aus Gewohnheit ebenfalls die Sprache und Medien werden fast ausschließlich auf Deutsch konsumiert.

Das Ergebnis: Viele Jugendliche verstehen BKS sehr gut, haben aber Schwierigkeiten, selbst längere Gespräche zu führen.

Mit Oma wird es schwierig

Besonders sichtbar wird das Problem oft bei den Großeltern.

Während Eltern meist gut Deutsch sprechen, leben Oma und Opa vielleicht weiterhin in Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien oder Montenegro. Plötzlich fehlen Wörter. Das Enkelkind versteht die Geschichte des Großvaters – kann aber nicht erzählen, was gerade in der Schule passiert oder was es beschäftigt.

Was früher selbstverständlich war, wird komplizierter.

Und mit jeder Generation kann die sprachliche Distanz größer werden.

„Bei uns wird nur unsere Sprache gesprochen“

Viele Eltern versuchen deshalb bewusst gegenzusteuern. Zu Hause wird ausschließlich BKS gesprochen, es gibt Bücher, Musik und Filme in der Muttersprache oder regelmäßige Aufenthalte bei Verwandten am Balkan.

Andere gehen entspannter damit um. Entscheidend sei nicht, ob jedes Wort grammatikalisch perfekt sitzt, sondern dass Kinder überhaupt eine emotionale Verbindung zur Sprache behalten.

Doch gerade hier beginnt in vielen Familien die Diskussion: Muss man Kinder zum Sprechen zwingen – oder erreicht man damit am Ende genau das Gegenteil?

Mehr als Wörter

Eine Sprache zu verlieren bedeutet nicht automatisch, seine Herkunft zu verlieren. Identität besteht aus weit mehr als Grammatik und Wortschatz.

Und trotzdem gibt es Dinge, die sich nur schwer übersetzen lassen: bestimmte Witze, Redewendungen, Familiengeschichten oder jene kurzen Sätze, die man seit der Kindheit kennt.

Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, perfekt Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch zu sprechen.

Vielleicht geht es vielmehr darum, dass die nächste Generation noch versteht, warum Oma bei bestimmten Liedern plötzlich mitsingt – und warum ein einziges „Jesi dobro?“ manchmal mehr bedeutet als eine ganze Unterhaltung auf Deutsch.

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KO KOSMO-Redaktion
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