Während die Darmkrebsvorsorge künftig schon ab 45 Jahren gratis ist, wird die Gesundheitsvorsorge mit Pneumokokken- und Gürtelrose-Impfungen für Risikogruppen ausgebaut.
Erwachsene Risikogruppen erhalten künftig kostenfreie Impfungen gegen Pneumokokken und Gürtelrose. Gleichzeitig wird die Altersgrenze für die kostenlose Darmkrebsvorsorge von 50 auf 45 Jahre herabgesetzt. Diese Erweiterungen des kostenlosen Impfprogramms wurden in der Bundes-Zielsteuerungskommission von Bund, Ländern und Sozialversicherung auf Empfehlung des Nationalen Impfgremiums verabschiedet. Grundlage der Entscheidung waren wissenschaftliche Analysen der Technischen Universität Wien in Kooperation mit der Gesundheit Österreich GmbH und der Medizinischen Universität Wien.
⇢ Pneumokokken und Gürtelrose: Gratis-Impfungen für Risikogruppen
Der Fokus lag dabei auf dem wirkungsvollen Einsatz öffentlicher Mittel zur gezielten Reduzierung von Krankheitslasten. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) betonte: „Gesundheit darf kein Privileg sein. Wer sich schützen möchte, soll das auch können – unabhängig von Alter, Einkommen oder Wohnort.“ Auch Königsberger-Ludwig unterstrich: „Gerade ältere Menschen und Risikogruppen profitieren enorm von einem frühzeitigen, kostenlosen Zugang zu diesen Impfungen.“
Das Gesundheitsministerium verkündete die kostenlosen Impfangebote am Mittwoch per Aussendung. Wie das Büro von Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) auf APA-Anfrage (Austria Presse Agentur) mitteilte, sollen die beiden Impfungen schrittweise ab Ende 2025 beziehungsweise im Verlauf des Jahres 2026 ohne Kosten verfügbar werden. Da die Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen sind, kann derzeit weder ein exakter Starttermin noch die genaue Höhe der Kosten beziffert werden.
Berechtigte Personengruppen
Angestrebt wird eine flächendeckende Umsetzung für Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr sowie für definierte Risikogruppen mit chronischen Erkrankungen. Zu den Anspruchsberechtigten zählen unter anderem Menschen mit Krebserkrankungen, immunsuppressiver Therapie, Diabetes mellitus, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen, wie auf Nachfrage erläutert wurde. Die exakte Definition der berechtigten Personengruppen erfolgt basierend auf den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums.
Die Immunisierung gegen Herpes Zoster, im Volksmund als Gürtelrose bekannt, bietet laut Ministerium nicht nur Schutz vor der akuten Erkrankung, sondern auch vor langanhaltenden Folgeerscheinungen wie chronischen Nervenschmerzen. Zudem kann sie Krankenstände verhindern und möglicherweise sogar das Risiko einer Altersdemenz verringern. Pneumokokken-Impfungen schützen vor schwerwiegenden Krankheitsverläufen, die durch diese Bakterien ausgelöst werden – darunter bakterielle Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Gehirnhautentzündungen.
Diese Erkrankungen weisen eine besonders hohe Mortalität auf und betreffen vorwiegend ältere und immungeschwächte Personen. Die aktuellen Beschlüsse zur Ausweitung des kostenlosen Impfprogramms beziehen sich ausschließlich auf Pneumokokken- und Herpes-Zoster-Impfungen, wie das Büro von Königsberger-Ludwig auf APA-Anfrage präzisierte. Für RSV-Impfungen (Respiratory Syncytial Virus), die vom Nationalen Impfgremium ab dem vollendeten 60. Lebensjahr allgemein empfohlen werden und für Neugeborene bereits kostenfrei angeboten werden, existiert derzeit „keine Beschlusslage“.
Gleiches gilt für die regelmäßigen Auffrischungsimpfungen bei Diphtherie/Tetanus/Pertussis/Polio und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).
Darmkrebsvorsorge erweitert
Darüber hinaus wird das Mindestalter für die kostenlose Darmkrebsvorsorge von 50 auf 45 Jahre reduziert. Die Umsetzung ist laut Mitteilung des Dachverbands der Sozialversicherungsträger vom Mittwoch für Oktober geplant. Das Angebot umfasst die Darmspiegelung (Koloskopie) im Zehnjahresrhythmus sowie einen Test auf okkultes Blut im Stuhl im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung.
In Österreich werden jährlich etwa 5.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen diagnostiziert. Viele dieser Fälle könnten verhindert werden, wenn Darmpolypen rechtzeitig entfernt würden. Mit der Herabsetzung der Altersgrenze folgt Österreich internationalen Empfehlungen. Der medizinische Nutzen dieser Maßnahme ist wissenschaftlich fundiert, wie in der Aussendung betont wurde.
Je früher potenzielle Veränderungen im Darm erkannt und beseitigt werden, desto höher sind die Heilungschancen – oder es kann sogar verhindert werden, dass überhaupt Krebs entsteht. Die Sozialversicherung investiert für diese präventivmedizinische Maßnahme rund fünf Millionen Euro.
Peter McDonald, Vorsitzender des Dachverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, unterstrich: „Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten, aber auch eine der am besten vermeidbaren – wenn er rechtzeitig erkannt wird.“
Weitere Impfprogramme im Ausbau
Die Gratis-Impfungen gegen Pneumokokken und Gürtelrose werden nach dem Vorbild der erfolgreichen Influenza-Impfsaisonen als fester Bestandteil des öffentlichen Impfprogramms etabliert. Die Finanzierung erfolgt durch Mittel aus der Gesundheitsreform, wodurch die Impfungen dauerhaft in den Regelbetrieb überführt werden können.
Parallel dazu wird auch die kostenfreie HPV-Impfung für Menschen unter 30 Jahren bis Mitte 2026 verlängert. Interessierte sollten beachten, dass die erste Dosis bis Ende 2025 und die zweite spätestens bis 30. Juni 2026 verabreicht werden muss, um vom Gratis-Angebot profitieren zu können. Diese Maßnahme ergän