Ein Unwetter mit Sturmböen und heftigem Regen, der später in Hagel überging, zog gestern erneut über Slowenien und erreichte anschließend die zentralen und nördlichen Regionen Kroatiens sowie das Zentrum von Zagreb.
Im Gespräch mit dem kroatischen Rundfunk HRT erläuterte der Klimatologe Boris Grisogono, dass es sich nicht um einen Superzellengewitter handelte, sondern um ein System aus mehreren Wolkenzellen, die sich zu einem zusammenhängenden Streifen formiert hatten – dennoch ein beunruhigendes Phänomen. „Dieses System konnte offenbar keine eigenständige vertikale Rotation entwickeln. Wir haben es vermutlich mit einem mehrzelligen Cumulonimbus zu tun.“ Auch die Satellitenaufnahmen deuten auf ein sogenanntes mesoskaliges konvektives System hin – eine Wetterfläche von über 200 Kilometern Ausdehnung, die sich punktuell entlädt, dann an anderer Stelle wieder aufflammt. Dieses Klick-Klack-Muster setzt sich fort, breitet sich aus und verursacht lokal intensiven Hagel, Blitzeinschläge und entwurzelt Bäume“, erklärte Grisogono.
Der Atmosphärenphysiker Branko Grisogono wies darauf hin, dass Unwetter wie jenes in Split, einer Stadt an der kroatischen Adriaküste, äußerst schwer vorherzusagen sind. Sie treten nur kurzzeitig auf, bewegen sich rasch und entfalten extreme Intensität. Während wir früher mit schwächeren Unwettern konfrontiert waren, erleben wir heute deutlich heftigere Ereignisse. Grisogono erläuterte die Hintergründe: „Es geht um zusätzlich eingebrachte Energie – schon im Schulunterricht lernt man, dass Energie mit der vierten Potenz der Temperatur wächst.
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Steigt die Temperatur nur geringfügig an, nimmt die Energie massiv zu. Dadurch wechseln wir schneller von einer Phase – also trockenem Wetter – in eine zweite Phase mit stürmischen Bedingungen und starken Niederschlägen.“
Energieanstieg und Folgen
„Genau darum geht es: zusätzlich eingebrachte Energie. Das ist vergleichbar mit einem Tanz, bei dem man mit einem Tango beginnt und plötzlich mitten im Tanz zum Twist übergeht. Dann kehrt man kurz zu einer Art Rock and Roll zurück, bevor man in eine dritte Kadenz wechselt. Die Wetterumschwünge erfolgen rasanter und intensiver, was bei uns noch verstärkt wird, da die Schneedecke in den Alpen kontinuierlich abnimmt. Hinzu kommt die starke Erwärmung der Adria. Diese Energie aus dem Meer, die Verdunstung und die sogenannte latente Wärme tragen erheblich dazu bei, dass sich die tiefe, feuchte Konvektion stärker entwickelt“, führte er aus.
„Die Adria wirkt fast wie ein Binnensee – ein halbgeschlossenes Meer. In unmittelbarer Nähe erheben sich die Alpen mit Gipfeln über 4.000 Meter. Dieser Kontrast, dieses Zusammenspiel aus Küstengeometrie und Gebirgshöhen, verstärkt die Wetterumschwünge. Wir kennen die Auswirkungen des Velebit-Gebirges und des Po-Flusses“, ergänzte Grisogono.
Vorhersage-Problematik
Zur problematischen Vorhersage sommerlicher Gewitter erklärte er, dass Meteoalarm derzeit das beste verfügbare Warnsystem darstellt. „Rasche Wetterumschwünge wie das Unwetter in Split vor etwa zehn Tagen lassen sich nur schwer prognostizieren. Sie treten kurzzeitig auf, bewegen sich schnell und entwickeln extreme Intensität.
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(…) Stellen Sie sich ein Netz vor: Alles, was durch die Maschen fällt, kann einigermaßen aufgelöst und berechnet werden. Die Lücken dazwischen müssen jedoch parametrisiert und anders behandelt werden. Man kann nicht jeden Regentropfen berechnen, nicht jeden turbulenten Wirbel. Die Prozesse auf diesen Skalen haben sich deutlich intensiviert, und unser Wissen darüber ist noch unzureichend. Dazu laufen derzeit außergewöhnliche Forschungsprojekte“, so Grisogono.
Das plötzlich hereinbrechende Unwetter hat glücklicherweise keine größeren Schäden verursacht.
Häufung extremer Unwetter in der Region
In den vergangenen Wochen kam es in der Adria-Region zu einer Häufung extremer Unwetterereignisse. An der kroatischen Westküste wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 110 km/h gemessen, wobei zahlreiche Boote und Yachten sanken oder auf Grund liefen. In der Küstenstadt Rovinj wurden Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt. Auch das Landesinnere Kroatiens blieb nicht verschont – Hagelstürme verursachten dort erhebliche Schäden an landwirtschaftlichen Flächen.
In Slowenien fielen innerhalb von nur 15 Minuten bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter, was zu lokalen Überflutungen und Stromausfällen führte. In beiden Ländern mussten Menschen nach den Unwettern medizinisch versorgt werden, und die Sachschäden an Gebäuden und Infrastruktur sind beträchtlich.
Meteorologen und Klimaforscher beobachten in der Adria-Region seit Jahren eine Zunahme der Intensität und Häufigkeit von Unwettern, besonders im Sommer. Die Kombination aus steigenden Meerestemperaturen, abnehmender Schneedecke in den Alpen und veränderten atmosphärischen Bedingungen führt zu einer stärkeren Entwicklung von konvektiven Wettersystemen, die lokal extreme Niederschläge, Hagel und Sturmböen verursachen. Prognosen deuten darauf hin, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird, was die Region vor wachsende Herausforderungen im Katastrophenschutz stellt.
📍 Ort des Geschehens