Mit einem Messer und verstörenden Botschaften stürmt ein 15-Jähriger durch seine Schule bei Moskau. Zurück bleibt ein getöteter Zehnjähriger und eine erschütterte Gemeinschaft.
Ein Amoklauf erschüttert eine Schule in der Nähe von Moskau: Ein 15-jähriger Schüler attackierte Mitschüler mit einem Messer und tötete einen Zehnjährigen. In der russischen Kreisstadt Odinzowo herrscht nun tiefe Verunsicherung. Viele Eltern erwägen, ihre Kinder in andere Bildungseinrichtungen zu schicken. „In den letzten Jahren ist das Leben deutlich härter geworden, aber mit einem solchen Vorfall hat hier niemand gerechnet“, erklärt ein Anwohner gegenüber der „Krone“. Besonders erschütternd: Nach Angaben der Ermittlungsbehörden soll der Täter nach dem tödlichen Angriff auf den Viertklässler ein Selfie mit dem Opfer in sozialen Medien geteilt haben.
🔴RUSSIA 🇷🇺| #Drama : a teenager armed with a knife and tear gas injured several people, including a security guard, at a school in #Odintsovo, a suburb of #Moscow, on Tuesday, Dec 16. A 10 y-o student died from his injuries. The assailant, aged 15, was arrested and into custody. pic.twitter.com/19jzapSG2O
— Nanana365 (@nanana365media) December 17, 2025
Am Dienstagmorgen sprach Timofej K. mehrere Schüler an und fragte nach ihrer Herkunft, wie Videoaufnahmen belegen, die er später selbst auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichte. Ein Sicherheitsmitarbeiter bemerkte die Situation und versuchte einzugreifen, wurde jedoch mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt. Anschließend zog der Jugendliche ein Messer und stürmte auf seine Mitschüler zu. Einen von ihnen erreichte er auf einer Treppe und stach ihm brutal in den Hals.
Eine weitere Aufzeichnung, die vom Telegram-Kanal „Ostoroschno, nowosti“ verbreitet wurde, zeigt, wie Timofej K. ein Klassenzimmer betritt und nach einer „dunkelhäutigen“ Lehrkraft fragt. „Ich kenne ihren Namen nicht“, ist er deutlich zu hören. Die völlig überraschten Schüler versuchen, Hilfe zu holen. „Ich bekomme sowieso lebenslänglich“, äußert Timofej K. Auf die Nachfrage, was er vorhabe, antwortet er kaltblütig: „Das könnt ihr dann auf Wikipedia nachlesen.“ In dieser Situation erfolgte seine Festnahme.
Rechtsextreme Symbolik
Russische Medien berichten, der Jugendliche sei mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „No Lives Matter“ – eine zynische Anspielung auf die Black-Lives-Matter-Bewegung – durch die Schulflure gerannt. Zudem habe er einen Helm getragen, auf dem ein Zitat des US-amerikanischen Neonazis Dylann Storm Roof zu lesen war: „Ich war gezwungen, das zu tun, weil jemand muss doch etwas unternehmen.“ Roof hatte 2015 in einer Kirche in Charleston, South Carolina, neun afroamerikanische Gläubige während einer Bibelstunde erschossen. Er wurde wegen eines rassistisch motivierten Hassverbrechens und möglichem Terrorismus zum Tode verurteilt und wartet derzeit im Todestrakt auf seine Hinrichtung.
Radikales Manifest
Vor seiner Gewalttat soll Timofej K. seinen Klassenkameraden ein Manifest mit dem Titel „Mein Zorn“ zugeschickt haben, das seine verzerrte Weltanschauung und fortgeschrittene Radikalisierung dokumentiert. Das wirre Dokument beginnt mit einem Zitat von Eric Harris, einem der Täter des Amoklaufs an der Columbine High School im Jahr 1999, bei dem 14 Menschen getötet wurden. In seinem Schriftstück äußert Timofej K. seinen Hass auf die Gesellschaft und bezeichnet Menschen als „Biomüll“. Für seine Verachtung macht er Muslime, die LGBT-Bewegung, Juden, Antifaschisten, Liberale und Oppositionelle verantwortlich.
Gegen den Teenager wurden Ermittlungen wegen Mordes und versuchten Mordes eingeleitet. Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, zeigte sich tief betroffen: „Für die gesamte Region Moskau ist dies eine furchtbare Tragödie.
Wir müssen die Ursachen vollständig aufarbeiten und alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, damit sich so etwas nicht wiederholt.“