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AKWs

Atomkraft: Eine tickende Zeitbombe oder eine effiziente Energiequelle?

In Europa gibt es 124 Reaktoren bzw. ein viertel der weltwei-ten Reaktoren. Auf der Karte ist das Risiko der Atomstrahlung dargestellt. (FOTO: GLOBAL 2000)
KERNENERGIE IST KEINE LÖSUNG:

Agnes Zauner (FOTO: GLOBAL 2000)

Agnes Zauner, Geschäftsführerin von GLOBAL 2000: „Wir haben nur noch knapp 10 Jahre, die katastrophalen Auswirkun-gen der Klimakrise zu verhindern. Der Umstieg auf klimafreundliche Energien ist notwendig. Dabei steht auch Atomkraft immer wieder zur Frage. Einige Länder Euro-pas beziehen Energie aus teilweise hochgefähr-lichen Uraltreaktoren. Zusätzlich wird der Bau neuer AKWs weiterhin durch die EU subven-tioniert. AKWs bergen Gefahren, die in kei-ner Relation zu einem vermeintlichen Nutzen stehen. Diese Technologie zu fördern, ist voll-kommen unverantwortlich. Spätestens nach den Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima sollte klar sein, dass Atomkraft höchst gefährlich ist. Dies ist auch der Grund, warum GLOBAL 2000 sich seit Jahrzehnten gegen AKWs einsetzt und sich auch die Men-schen in Österreich 1978 gegen Atomkraft entschieden haben. Doch radioaktive Strah-lung macht vor Ländergrenzen keinen Halt, weshalb wir auch nicht sicher vor AKWs und Atommüll-Lager benachbarter Länder sind. Deshalb muss die Regierung Druck auf andere Länder ausüben, damit gefährliche Schrott-reaktoren wie Mochovce heruntergefahren, der enorm teure Bau neuer AKWs gestoppt und Atommülllager verhindert werden. Die Argumentation, dass Atomkraft nachhaltig sei, ist nicht haltbar, da Erneuerbare Ener gien viel weniger CO2-Emissionen verursachen. Die grüne und sichere Alternative zu fossiler Energie und Atomkraft ist die nachhaltige Gewinnung Erneuerbarer Energien durch umweltfreundliche Nutzung von Wind, Was-ser und Sonne.”

AKWs rund um Österreich
Insgesamt 14 aktive Atomkraftwerke befinden sich in unmittelbarer Nähe der österreichischen Grenzen. Auch wenn Österreich selbst keine Atomenergie produziert, so sind diese AKWs in der Nachbarschaft dennoch ein Gefahrenherd, da Strahlung keine Staatsgrenzen kennt. Die Atomkraftwerke befinden sich in einer Distanz von 40 bis 200 km von den Grenzen Österreichs. Vielen ist bekannt, welche Folgen die nukleare Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 für andere Staaten, wie z.B. Deutschland hatte, obwohl der Unfallsort mehr als 1.000 km entfernt lag.

Aufgrund der geografischen Nähe war Österreich immer eine leitende Stimme im Kampf gegen Atomkraft in seinen Nachbarländern. Gesellschaftliche Veränderungen in den 70er und 80er Jahren führten sogar dazu, dass es verhindert wurde, in den Donau-Auen ein AKW zu bauen. Diese Bewegung war auch der Anlass für die Gründung der Partei „Die Grünen”. Im Jahr 1978 wurde auch die Inbetriebnahme des AKWs Zwentendorf (Niederösterreich) verhindert. Damit wurde auch der Bau zwei weiterer Atomkraftwerke verhindert. Diese hätten in St. Pantaleon-Erla/St. Valentin zwischen Nieder- und Oberösterreich und St. Andrä in Kärnten entstehen sollen.

Neben den Geschehnissen im eigenen Land spielt Österreich auch eine große Rolle, wenn es um die AKWs in den Nachbarstaaten geht. Als Beispiel kann man die Verhinderung der Inbetriebnahme des Reaktors 3 des AKW Mochowce in der Slowakei nennen, welches sich nur 100 km von Wien entfernt befindet. GLOBAL 2000, die führende Umweltschutzorgani-sation in Österreich, veröffentlichte auf ihrer Seite die größten Mängel und Probleme in Atomkraftwerken unweit der österreichi-schen Grenzen. Diese Liste ist so lang, dass sie gar nicht genügend Platz auf diesen Seiten finden würde, weshalb wir Ihnen hier eine Auswahl der gefährlichsten Stör- und Zwischenfällen präsentieren. Eine erweiterte Liste dieser Fälle kann man auf der Webseite der Umweltschutzrganisation GLOBAL 2000 finden.

Slowenien
Krško:2013: Notabschaltung aufgrund des Versagens eines Isolationsventils an der Hauptdampfleitung (mechanischer Fehler an einem der wichtigsten Ventile im Sekundärkreislauf ).

Ungarn
Paks:2003: Block 2: Bei der Reinigung von Brennelementen werden deren Umhüllungen beschädigt, radioaktive Gase treten aus dem Reaktorgebäude aus.

Slowakei
Bohunice:1991: Block A1: Bei dem Versuch, die Brennelemente aus dem havarierten Reak-tor zu holen, stürzt ein Verladekran ein, mehrere Arbeiter und die Reaktorhalle werden massiv radioaktiv kontaminiert. Der Vorfall wird geheim gehalten, erst 2008 sickern Informationen durch.
Mochovce:26.November 2010: Block 2: Brand eines Turbogenerators.

Tschechien
Dukovany:Juni 2019: Block 2: Panne nach Wartung, möglicher Defekt an Dampferzeuger, Abbruch des Wiederanfahrens
Juli 2019: Block 2: Verlängerung der Wartung wegen unplanmäßiger Repa-ratur einer defekten Leitung zu einem der Dampferzeuger.

Temelín:2014: Probe Reservesystem, radioak-tives Wasser tritt aus Rohrleitung aus.

Deutschland
Gundremmingen:2017: Block B: Ein Ventil innerhalb des Containment schließt nicht, radioaktiver Dampf tritt ins Containment aus.
Isar:2012: Block 2: Bei Revision Zwischenfall mit ätzender Chemikalie, hochgiftiges Hydrazin gelangt ins Trinkwassernetz auf dem Betriebsgelände.
Neckarwestheim 2018: Block 2: Durch ein Leck in der Rohrleitung treten 100 Liter radioaktives Konzentrat im Kontrollbereich des Reaktors aus.

Schweiz
Beznau:2019: Block 1: Nach einem Blitzschlag ins Unterwerk muss der Reaktor notabgeschaltet werden
Block 2: Lastabwurf bis auf Eigenbedarf.
Leibstadt:2019: Mitarbeiter hat sein 2016 erfundene Strahlenmess-Daten der halbjährlichen Funktionsprüfung von Messgeräten in Prüfprotokolle eingetragen, ohne die Prüfung tatsächlich durchgeführt zu haben. Bei 240 von 350 Geräten finden sich Hinweise auf gefälschte Prüfprotokolle.
Gösgen 2015: Defekt in Schutzschalter Leittech-nikschrank, Notabschaltung, Wasserdampf wird aus der Anlage abgelassen.

Quellen und Links:

GLOBAL 2000