Türkisblaues Meer oder trübe Brühe? Während Zypern und Österreich mit Traumwerten glänzen, kämpfen Frankreich und die Niederlande mit verschmutzten Badestellen.
Die europäischen Badegewässer präsentieren sich in überwiegend hervorragendem Zustand, wie eine aktuelle Untersuchung der Europäischen Umweltagentur in Kooperation mit der EU-Kommission belegt. Von den mehr als 22.000 evaluierten Gewässern in der EU, Albanien und der Schweiz erreichten etwa 85 Prozent die Höchstbewertung „ausgezeichnet“. Besonders positiv fallen die Ergebnisse für Zypern, Österreich, Griechenland, Kroatien und Bulgarien aus, wo mindestens 95 Prozent der Badegewässer höchsten Qualitätsstandards entsprechen. Auch Belgien, Bulgarien, Rumänien, Luxemburg und Malta erfüllen durchgängig die festgelegten Mindestanforderungen.
Dennoch gibt es innerhalb Europas deutliche Qualitätsunterschiede. Die Schlusslichter bilden Frankreich, Estland, Schweden und die Niederlande. In Frankreich wurden 115 Gewässer mit mangelhafter Qualität identifiziert, gefolgt von den Niederlanden mit 29 und Schweden mit 19 problematischen Badestellen. In Estland fielen drei Gewässer durch die Qualitätsprüfung.
Qualitätsgefälle erkennbar
Die Daten verdeutlichen zudem ein Gefälle zwischen Küstengewässern und Binnengewässern: Während 89 Prozent der Meerzugänge mit „ausgezeichnet“ bewertet wurden, erreichten nur 78 Prozent der Flüsse und Seen diese Bestnote. Die Erhebung stützt sich auf Daten der Badesaison 2024 und ist Bestandteil der EU-Strategie „Zero Pollution Vision“, die eine schadstofffreie Umwelt bis 2050 anstrebt.
Die zugrundeliegende Badegewässerrichtlinie dient sowohl dem Gesundheitsschutz der Badenden als auch dem Erhalt aquatischer Ökosysteme. Im Fokus der Untersuchungen stand die Belastung mit potenziell krankmachenden Bakterien wie Escherichia coli, um gesundheitliche Risiken beim Baden zu evaluieren.
Überholte Infrastruktur als Hauptursache
Die Gründe für das schlechte Abschneiden ausgerechnet eines Tourismus-Hotspots wie Frankreich sind vielschichtig. Veraltete Abwasserinfrastrukturen und unzureichende Kläranlagen spielen laut Expertenmeinungen eine entscheidende Rolle. Insbesondere nach Starkregenereignissen gelangen ungeklärte Abwässer direkt in Flüsse und Küstengewässer, da die bestehenden Systeme die Wassermengen nicht bewältigen können. Dieses Problem verschärft sich in beliebten Urlaubsregionen während der Hochsaison zusätzlich durch den erhöhten touristischen Andrang.
Auch die intensive Landwirtschaft trägt zur Gewässerbelastung bei. Diffuse Einträge von Düngemitteln und Pestiziden gelangen über Oberflächenabfluss in Badegewässer und fördern übermäßiges Algenwachstum, was die Wasserqualität deutlich beeinträchtigt und das Einhalten der strengen EU-Grenzwerte erschwert.
Realität vs. Idylle
Die sozialen Medien vermitteln im Sommer oft ein idyllisches Bild von türkisblauem Meer und kristallklaren Seen. Die Wirklichkeit zeigt jedoch häufig ein anderes Gesicht: Verschmutzungen, Abfälle, übermäßiges Algenwachstum und verunreinigte Uferbereiche beeinträchtigen vielerorts das Badevergnügen – in einigen EU-Staaten erreicht die Verschmutzung sogar ein gesundheitsgefährdendes Niveau.
Die Studienergebnisse liefern überraschende Einblicke in die regionale Verteilung der Problembereiche und identifizieren gleichzeitig jene Länder, die mit besonders reinen Gewässern punkten können.