Trump nennt es lächerlich – doch Kanada und die EU schmieden unbeirrt ein neues Bündnis, das die transatlantische Ordnung verändern könnte.
Kanada plant eine engere institutionelle Anbindung an die Europäische Union – in Form einer assoziierten Mitgliedschaft, die die transatlantische Partnerschaft auf eine neue Grundlage stellen und wirtschaftliche Kooperationen deutlich ausweiten soll.
Premierminister Mark Carney trat dazu vor dem Europäischen Parlament in Straßburg auf und warb persönlich für dieses vertiefte Partnerschaftsmodell. Rückendeckung erhielt er von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die sich klar für eine Intensivierung der Beziehungen aussprach. Ihr erklärtes Ziel: „Die Beziehung zu Kanada auf das höchstmögliche Niveau bringen.“
Assoziierte Mitgliedschaft
Da eine reguläre Mitgliedschaft Kanadas aufgrund von Artikel 49 der EU-Verträge rechtlich ausgeschlossen ist, steht das Modell einer assoziierten Mitgliedschaft im Mittelpunkt der Überlegungen. Der Annäherungsprozess zwischen Kanada und der EU ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der amerikanischen Handels- und Außenpolitik unter Präsident Donald Trump zu verstehen. Carney machte deutlich, worum es ihm dabei geht: „Das Ziel ist nicht Autarkie, sondern kollektive Widerstandsfähigkeit.“
Konkret sollen beide Seiten ihre strategische Autonomie durch Zusammenarbeit in Zukunftsbereichen wie Künstliche Intelligenz, saubere Energie und Finanzdienstleistungen absichern. Besonderes Gewicht kommt dabei kanadischen Energielieferungen zu – Flüssigerdgas und Wasserstoff sollen künftig in größerem Umfang nach Europa fließen. Bereits im Mai 2026 schlossen Kanada und Deutschland zwei LNG-Vereinbarungen ab: Die erste sieht eine Lieferung von einer Million Tonnen LNG pro Jahr für bis zu 20 Jahre vor, wobei die erste Lieferung Anfang der 2030er Jahre beginnen soll.
Trumps Ablehnung
Aus Washington kommt hingegen klare Ablehnung. Trump ließ an dem Vorhaben kein gutes Haar und drohte für den Fall einer Umsetzung mit empfindlichen Zöllen gegenüber Europa. Sein Urteil fiel knapp aus: „Ich halte das für lächerlich.“
Ungeachtet dieser Spannungen bleibt die Frage einer engeren wirtschaftlichen Integration zwischen Kanada und der EU auf der politischen Agenda – ebenso wie das wachsende Interesse an gemeinsamen Perspektiven in den Bereichen Bildung und Arbeit auf beiden Seiten des Atlantiks.