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Balkan Stories: Die Straßenparty von Novi Sad

Balkan Stories: Die Straßenparty von Novi Sad
FOTO: iStock
4 Min. Lesezeit |

Kubanische Musik erobert die Ulica Laze Telečkog, die Ausgehmeile von Novi Sad. Menschen tanzen auf der Straße. Für das Musik-Festival ist Cubanero ist ein DJ aus Frankreich angereist. Das Ende ist tragisch. Ein Rückblick auf den Frühsommer.

So viele geschulte und vielleicht sogar professionelle Tänzerinnen und Tänzer können sich gar nicht versammeln auf der Laze Telečkog in Novi Sad, dass sie nicht der Star wäre des letzten Abends des Cubanero-Festivals: Die achtjährige Nadja.

Sie tanzt begeistert zu den Salsa-Klängen und will gar nicht aufhören, und sie reißt alle mit, die nur gekommen sind, um den Tanzenden zuzuschauen.

Ihre Eltern sind zu Recht sehr stolz, und erlauben mir, dass ich ein Foto von Nadja mache.

Bei Kindern ist das ein wenig heikler. Ohne das OK der Eltern will ich das in dem Fall nicht machen.

Es ist kein normales Durchkommen auf dieser Straße in der Fußgängerzone der Hauptstadt der Vojvodina.

Paare tanzen auf der Straße, echte und nur für den Tanz zusammengekommene.

Und wenn man niemanden gefunden hat, tanzt man auch alleine.

Unter Dutzenden kubanischen Fahnen tanzt man Rumba, Salsa oder auch Tango zu Salsa, je nachdem, was sich gerade richtig anfühlt, und was man am besten drauf hat.

Alle Lokale auf der Laze Telečkog haben sich für dieses Festival zusammengeschlossen.

Die Kellnerinnen und Kellner versuchen, durch die Massen hindurch, Getränke zu servieren oder abzukassieren.

DJ Assam legt auch nicht traditionell Kubanisches auf und geht zu Ende mehr ins elektronische Fach.

Er lebt in Frankreich und ist extra für das Festival Cubanero nach Novi Sad angereist: „Die buchen mich seit mittlerweile sechs Jahren, und was soll ich dir sagen: Ich spiel normalerweise auf viel größeren Veranstaltungen, aber das hier liebe ich. Ich liebe Novi Sad“.

Die offene Atmosphäre der Stadt lässt dieses Festival besonders bunt werden. Man trifft hier auch Südamerikaner. Viele wohnen in der Stadt, manche sind aus Beograd angereist.

Dass es hier sehr offen und laut zugehen kann, ist freilich auch Ergebnis von Gentrifizierung.

FOTO: Balkan Stories

In den 1990-ern war hier die Alternativszene der Stadt mit einer Handvoll Clubs.

Den Bewohnern der hier durchgehend einstöckigen Häusern wurde das nach und nach zu laut. Sie zogen weg.

In die leerstehenden Häuser zogen Lokale nach, die immer kommerzieller wurden.

Heute brauchen sie auf Anrainer keine Rücksicht mehr zu nehmen. Es gibt in der Straße keine mehr.

Die Party nimmt ein tragisches Ende

Trotzdem ist irgendwann Schluss. Assam packt zusammen.

Die Straßenparty löst sich überraschend schnell auf. Die meisten Tänzer gehen nachhause.

Ein paar gehen in die Lokale auf der Straße. Ich schließe mich auf ein Bier oder zwei an.

Als ich eine Stunde später auf der Straße stehe, ist das Publikum wie ausgewechselt.

Aufgedonnerte Teenager oder sehr frühe Twens in High Heels und Kleidern, Burschen in der Einserpanier, mit frischem und akkuratem Haarschnitt.

Sie strömen in die Clubs entlang der Straße.

Die lassen zum Teil niemanden mehr rein.

Die anderen Lokale werden langsam leerer, mit Ausnahme des London Pub. Dort spielt eine lokale Rockband auf.

Ich habe einen unangenehmen Verdacht und gehe die Straße ab, und höre, welche Musik aus den Lokalen zu hören ist.

In jedem der vollen Clubs ist es Turbofolk.

Ein tragisches Ende für einen Abend, der so schön begonnen hat.

Balkan Stories, Christoph Baumgarten

Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.

Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.