Zehntausende auf den Straßen, 79 Festnahmen und ein Präsident, der von Terrorismus spricht – Serbiens Machtkampf zwischen Studenten und Staatsspitze eskaliert.
Die Spannungen in Serbien haben sich seit den Studentenprotesten am Samstag deutlich verschärft. Präsident Aleksandar Vucic reagiert mit verstärktem Behördendruck auf die Demonstrationen, die er als „Terrorismus und Versuch des Staatsumsturzes“ bezeichnet. Bei der Großkundgebung in Belgrad, der serbischen Hauptstadt, bei der Zehntausende vorgezogene Parlamentswahlen forderten, kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.
In einer konzertierten Aktion gingen Einsatzkräfte in Belgrad, Novi Sad, Nis und Novi Pazar gegen Straßenblockaden vor. Insgesamt wurden 79 Studenten und weitere Protestteilnehmer festgenommen. Die Behörden weisen Vorwürfe über Polizeibrutalität und übermäßige Gewaltanwendung zurück.
⇢ Großdemo gegen Vucic in Belgrad am Vidovdan
Verletzte Demonstranten
Die Studentenbewegung, die hinter den Protesten steht, berichtet hingegen von zahlreichen verletzten friedlichen Demonstranten. Nach Augenzeugenberichten sollen Polizisten mit Schlagstöcken und Schilden gegen Teilnehmer vorgegangen sein. Vier Studenten mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, einer davon mit gebrochenem Schlüsselbein.
Auslöser der Proteste
Die aktuelle Protestwelle wurde durch den Einsturz der Bahnhofshalle in Novi Sad am 1. November 2024 ausgelöst, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen. Diese Tragödie wurde von vielen Serben als direktes Symptom der weit verbreiteten Korruption im Land wahrgenommen. Was als studentische Mahnwachen begann, weitete sich schnell zu landesweiten Demonstrationen aus, die nun grundlegende Reformen des politischen Systems fordern, insbesondere zur Bekämpfung der Korruption und Stärkung der Unabhängigkeit der Justiz.