Eine gescheiterte Hinrichtung in Tennessee wirft Fragen zum Ablauf der Exekution auf – während Christa Pike weiterhin in kritischem Zustand im Krankenhaus liegt.
Die geplante Hinrichtung von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee ist am Mittwochabend gescheitert. Die 50-Jährige überlebte zwei verabreichte Dosen des Narkosemittels Pentobarbital und wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben ihrer Anwälte befand sie sich am Donnerstag in kritischem Zustand und erhielt lebensrettende medizinische Versorgung.
Die Exekution im Hochsicherheitsgefängnis Riverbend Maximum Security Institution in Nashville war von Beginn an von Problemen begleitet. Nach Angaben von Pikes Anwalt Randy Spivey dauerte es rund eine Stunde, bis der intravenöse Zugang gelegt werden konnte. Er sagte, er habe mindestens sieben Einstiche in ihrem linken Arm gezählt. Eine der entfernten Nadeln sei anschließend verbogen gewesen. Pike selbst klagte während des Vorgangs über Schmerzen an ihrem Arm.
Was ging schief?
Nach der ersten Dosis Pentobarbital blieb Pike am Leben, weshalb entsprechend dem Hinrichtungsprotokoll eine zweite Dosis verabreicht wurde. Auch danach atmete sie weiter und war bewusstlos. Augenzeugen berichteten von schnarchähnlichen Geräuschen, die noch mehr als eine Stunde nach Beginn der Exekution aus der Hinrichtungskammer zu hören waren.
Warum die Medikamente nicht wie vorgesehen wirkten, ist bislang nicht abschließend geklärt. Pikes Anwälte vermuten, dass die Schwierigkeiten mit dem intravenösen Zugang eine Rolle gespielt haben könnten und die Medikamente möglicherweise nicht vollständig in den Blutkreislauf gelangten. Das Tennessee Department of Correction erklärte dagegen, dass das vorgeschriebene Hinrichtungsprotokoll vollständig eingehalten worden sei. Eine unabhängige Untersuchung soll nun klären, was genau passiert ist.
Konsequenzen für Tennessee
Der gescheiterte Hinrichtungsversuch hat bereits politische Konsequenzen. Gouverneur Bill Lee ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine unabhängige externe Stelle an und setzte die für den restlichen Jahresverlauf geplanten Hinrichtungen in Tennessee aus. Zuvor war für Dezember noch eine weitere Exekution vorgesehen gewesen.
Pikes Anwälte fordern unterdessen, das Todesurteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln. Eine Prognose zu ihrem weiteren Gesundheitszustand liegt bislang nicht vor.
Hintergrund des Falls
Christa Pike wurde wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer im Jahr 1995 zum Tode verurteilt. Pike war damals 18 Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Tadaryl Shipp und einer weiteren Person lockte sie Slemmer in ein Waldgebiet, wo das Opfer gefoltert und getötet wurde. Pike und Shipp wurden wegen Mordes ersten Grades verurteilt.
Ob und wann die Hinrichtung erneut angesetzt werden könnte, ist derzeit offen. Zunächst soll die unabhängige Untersuchung klären, wie es zu dem gescheiterten Vollstreckungsversuch kommen konnte.