Zwei Spritzen, kein Tod – die Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee endete mit einem medizinischen Notfall und offenen Rechtsfragen.
Die geplante Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee ist nach schwerwiegenden Komplikationen während der Vollstreckung vorerst gescheitert. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Durchführung genehmigt hatte, traten bei der Verabreichung der tödlichen Injektionen ernste Probleme auf: Pike überlebte zwei Spritzen mit den vorgesehenen Chemikalien.
Richter Kyle Hixson teilte mit, dass Pike nicht für tot erklärt worden sei. Ein Notfallprotokoll wurde daraufhin aktiviert, und die Verurteilte wurde zur medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Um 20:26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche.
Juristisches Tauziehen
Dem gescheiterten Vollzug war ein intensives juristisches Tauziehen vorausgegangen. Der Supreme Court hatte einen Eilantrag zur Durchführung der Hinrichtung bewilligt, nachdem eine untergeordnete Instanz diese zuvor untersagt hatte. Gegen diese Entscheidung wandten sich die Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson mit scharfer Kritik.
Sotomayor warnte, Pike könne dadurch hingerichtet werden, bevor Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft worden seien, und bezeichnete das Vorgehen als außergewöhnlich.
Pikes Fall
Pike war 1996 wegen des Mordes an einer 19-Jährigen zum Tode verurteilt worden und ist die einzige Frau, die sich derzeit im Todestrakt von Tennessee befindet. Sie wäre die erste Frau seit 1819 gewesen, die in diesem Bundesstaat hingerichtet worden wäre.
Tennessee wirft der Verteidigung vor, die Vollstreckung systematisch zu verzögern. Im Mittelpunkt der rechtlichen Auseinandersetzung steht unter anderem die Frage, ob Pikes geltend gemachte Kindheitstraumata bei der Bewertung der Todesstrafe zu berücksichtigen seien. Die Verteidigung hielt im Eilverfahren fest, dass Tennessee durch eine weitere Verzögerung keinen irreparablen Schaden erleide, während Pike im Falle der Vollstreckung ihr Leben verlieren würde.