Der Krieg im Nahen Osten trifft auch jene, die keine Stimme haben – und das Ausmaß ist erschütternd.
Der Krieg im Nahen Osten hinterlässt seine Spuren nicht nur im Leben von Menschen – auch Haustiere in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind von den Folgen betroffen. Tierheime stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, Hunde, Katzen und Hasen werden zurückgelassen, und bei Tierärzten gehen Anfragen ein, die kaum zu fassen sind. Organisationen, die sich in der Region auf die Vermittlung von Tieren spezialisiert haben, verzeichnen einen deutlichen Anstieg solcher Meldungen.
«Wir wurden mit Anrufen wegen ausgesetzter Hunde regelrecht überschwemmt», meldet K9 Friends Dubai. Auch Anfragen von Menschen, die ihre Tiere abgeben wollen, habe es gegeben.
Tiere zurückgelassen
Bei einem Großteil der betroffenen Tiere handelt es sich um jene von Expats, die in den VAE ansässig sind. K9 Friends Dubai erklärt: «Wir verstehen, dass die Lage angespannt ist und dass es Familien gibt, die aus Sicherheitsgründen versuchen, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Wir bitten Sie dringend, Ihre Haustiere mitzunehmen.» Die Organisation biete dabei aktiv Unterstützung an.
Wie eine Freiwillige, die den Instagram-Kanal UAE Animal Community betreibt, gegenüber The Telegraph berichtet, hätten sich bei Tierärzten auch Personen gemeldet, die ihre «gesunden Haustiere einschläfern lassen» wollten, «weil sie sich nicht mit Umzugskosten oder Papierkram auseinandersetzen wollen.» Ähnliches berichtet auch Metro.co.uk unter Berufung auf den Tierpensionsservice The Barking Lot in Dubai.
Verschärft wird die Situation durch das weitgehende Fehlen strukturierter Auffangmöglichkeiten, wie eine anonyme Quelle schildert: «Es gibt hier kein groß angelegtes Tierheimsystem, das damit umgehen kann – die wenigen vorhandenen Plätze sind immer voll.» Sie erhalte «etwa fünf Nachrichten pro Tag» von Leuten, die sagen, sie würden ihr Tier auf der Straße aussetzen, wenn es keiner aufnimmt.
In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Aufnahmen, die das ganze Ausmaß dieser Entwicklung sichtbar machen: Katzenbabys in Pappschachteln, ein Kaninchen, das mitsamt Häuschen und vollem Futtersack zurückgelassen wurde, sowie Hunde, die an Laternenpfählen oder Mülleimern angebunden sind. Diese Szenen spielen sich sowohl im städtischen Umfeld als auch in der Wüste ab.
Grenze zum Oman
Darüber hinaus gibt es Berichte, wonach Tiere kurz vor der Grenze zum Oman ihrem Schicksal überlassen wurden. Die Betreiberin des Instagram-Accounts UAE Animal Community erklärt gegenüber «Bild», dass für die Einreise in den Oman Papiere und Impfungen erforderlich sind: «Die Blutwerte brauchen zwei bis drei Wochen – manche fahren einfach los und lassen dann das Tier zurück.»
Über ihren Account versucht die junge Frau, für die zurückgelassenen Tiere neue Zuhause zu finden – mit gelegentlichen Erfolgen, wie etwa im Fall einer Katze und ihrer sieben Jungen.