Hinter Gittern fand der gefallene Tennisstar einen unerwarteten Verbündeten. Eine Gefängnisfreundschaft, die Boris Becker bis heute nicht loslässt.
Boris Becker wurde im April 2022 wegen Insolvenzdelikten zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der dreimalige Wimbledon-Sieger musste zunächst ins berüchtigte Londoner Gefängnis HMP Wandsworth – eine der härtesten Haftanstalten Großbritanniens, wo Überbelegung und Gewalt zum Alltag gehören.
Unerwarteter Beschützer
Nach vier Wochen im Londoner Gefängnis Wandsworth wurde Boris Becker in die Haftanstalt Huntercombe verlegt. In dem Gefängnis nahe Nuffield mit rund 480 Insassen begegnete er einem Mann, der sein Leben hinter Gittern prägen sollte: Ike, ein etwa 50-jähriger Mitgefangener mit imposanter Statur und natürlicher Autorität.
„Die Leute respektierten ihn. Sie gingen ihm aus dem Weg. Er war stark, aber ruhig. Er hörte zu. Er war ein Mann, der ohne Worte Respekt einflößte“, beschreibt Becker in seinen Aufzeichnungen.
Mit der Zeit entwickelte sich zwischen den beiden eine besondere Verbindung. Ike lud den ehemaligen Tennisstar regelmäßig zum Mittagessen in seine Zelle ein, wo er Fufu zubereitete – ein traditionelles westafrikanisches Gericht aus Maiskugeln, die in würzige Gemüsesoße getaucht und im Gefängniskessel gegart wurden. Für Becker bedeuteten diese gemeinsamen Mahlzeiten weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme: „Ich erkannte die Ehre, die mir zuteil wurde. Mein Zellengenosse teilte sein Brot mit mir.“
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Gemeinsamer Alltag
Der Alltag der beiden Männer verschmolz zunehmend – sie trainierten gemeinsam, besuchten Gottesdienste und teilten die täglichen Rituale des Gefängnislebens. Besonders wertvoll war für Becker das Gefühl der Sicherheit, das Ikes Gegenwart ihm in der bedrohlichen Umgebung vermittelte. Trotz der kriminellen Vergangenheit seines Gefährten betont der Ex-Tennisprofi, dass nicht Ikes Vorgeschichte zählte, sondern was er im Gefängnis verkörperte: Menschlichkeit, Loyalität und innere Stärke.
Nach ihrer Entlassung gingen beide zunächst getrennte Wege. Während Becker nach seiner Abschiebung in Hamburg ein neues Leben begann, kehrte Ike nach einem kurzen Aufenthalt in Europa nach Nigeria zurück, wo er sich in der modernen Gesellschaft nicht mehr zurechtfand. Doch die Geschichte der beiden fand einen überraschenden Epilog: Zu Beckers 56. Geburtstag in Mailand 2023 stand plötzlich Ike unter den Gästen – elegant in Anzug und Krawatte. „Ich schaute ihn an und sagte: ‚Danke, dass du mir das Leben gerettet hast'“, erinnert sich Becker.
Tiefe Dankbarkeit
In seinen Memoiren macht der frühere Wimbledon-Champion deutlich, wie tief diese Freundschaft ihn berührt hat: „Ich denke oft an ihn. An seine Gebete, Gespräche mit Gott, seine Liebe zum Fitnessstudio und das Fufu, das er für uns kochte. Er gab mir ein Gefühl der Sicherheit, als mein Leben auseinanderfiel.
Ich hoffe, er hat Frieden gefunden.“