Unter massiven Bergen entstehen Bosniens Verkehrsadern der Zukunft. Die neuen Tunnel Zenica und Bosna revolutionieren bald die Reise von Sarajevo nach Europa.
Bosnien und Herzegowina steht vor einem Meilenstein im Straßenbau: Noch in diesem Herbst werden zwei Schlüsselprojekte des Korridors 5C fertiggestellt. Die Tunnel Zenica und Bosna revolutionieren künftig die Verbindung zwischen Sarajevo und dem Norden des Landes sowie weiter nach Europa. Der Zenica-Tunnel mit seinen zwei Röhren unter dem Berg Vepar verkürzt die Strecke zwischen Zenica und Zepce um rund sechs Kilometer. Der Tunnel Bosna, der längste Straßentunnel des Landes, ermöglicht eine deutlich schnellere und sicherere Passage durch die Bosna-Schlucht.
Die neuen Tunnelbauten schaffen Abkürzungen durch Hügel, die bisher umfahren werden mussten, da die Hauptstraße dem Flussverlauf der Bosna folgt. Während der Bauarbeiten am Zenica-Tunnel stellten massive Grundwassereintritte von bis zu 60 Litern pro Sekunde die Ingenieure vor erhebliche Herausforderungen. Dank moderner NATM-Bautechnik (Neue Österreichische Tunnelbaumethode) für unterirdische Konstruktionen konnte dieses Problem jedoch gelöst werden. Das NATM-Verfahren zeichnet sich durch flexible Anpassung an wechselnde geologische Bedingungen aus und ermöglicht kontinuierliche Überwachung und Bauanpassungen – entscheidend bei den schwierigen Grundwasserverhältnissen unter dem Vepar-Berg. Obwohl der Tunnel selbst bereits fertiggestellt ist, fehlen noch Teile der Verbindungsstrecke nach Zepce, weshalb die Eröffnung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen wird.
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Tunnel Bosna
Auf dem 5,5 Kilometer langen Abschnitt Poprikuse–Nemila befindet sich der Tunnel Bosna, früher als Golubinja bekannt. Wie Projektleiterin Jasmina Mihajlovic betont, sind sämtliche Hauptbauarbeiten bereits abgeschlossen. Derzeit laufen nur noch die finalen elektromechanischen Installationen. Nach ihrer Einschätzung könnte dieser Streckenabschnitt bereits im Oktober für den Verkehr freigegeben werden. Die Bauarbeiten waren besonders anspruchsvoll, da 4,6 Kilometer aus Brücken, Viadukten und Tunneln bestehen. Zu den wichtigsten Bauwerken zählen die Brücken Golubinja 1, Zeljeznica und Bosna sowie das Viadukt und die Rastanlage Golubinja.
Parallel dazu schreiten die Arbeiten am Abschnitt Nemila–Vranduk voran. Eine besondere technische Herausforderung stellte dabei die Verlegung der alten Hauptstraße M17 dar, verbunden mit der Regulierung des Bosna-Flussbetts auf einer Länge von drei Kilometern, um Platz für die neue Autobahn zu schaffen. Die erste Bauphase, die etwa zwei Drittel der Gesamtstrecke umfasst, soll Ende Oktober abgeschlossen und zeitgleich mit dem Abschnitt Poprikuse–Nemila für den Verkehr freigegeben werden. Die restlichen Arbeiten sollen bis Mitte nächsten Jahres fertiggestellt sein.
Millionen-Investition für europäische Anbindung
Die Finanzierung der Tunnelprojekte erfolgt über internationale Kredite und EU-Zuschüsse: Allein für den Abschnitt Poprikuše–Nemila mit dem Bosna-Tunnel belaufen sich die Projektkosten auf rund 251 Millionen Euro. Die Mittel stammen aus Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sowie einem EU-Zuschuss von 41 Millionen Euro im Rahmen des Western Balkans Investment Framework. Insgesamt hat die EIB bereits über eine Milliarde Euro in den Korridor 5C in Bosnien und Herzegowina investiert.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Fertigstellung dieser Autobahnabschnitte bedeutet weit mehr als nur Zeitersparnis für Reisende. Sie markiert einen entscheidenden Schritt zur vollständigen Integration von Bosnien und Herzegowina in das europäische Autobahnnetz. Die neuen Streckenkilometer sorgen nicht nur für kürzere und sicherere Reisen im Personen- und Frachtverkehr, sondern verbessern auch die Verbindungen zwischen den verschiedenen Landesteilen. Dadurch werden Handel und Tourismus angekurbelt, was die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region fördert. Diese Projekte bringen das Land der Vollendung des Korridors 5C deutlich näher – einer strategischen Verkehrsachse, die Bosnien und Herzegowina mit der Region und ganz Europa verbinden wird.
Wenn alles nach Plan verläuft, können Autofahrer bereits Ende Oktober erstmals die modernsten Streckenabschnitte und den längsten Tunnel des Landes nutzen.
Dies läutet eine neue Ära des Reisens ein, in der die Verbindung von Sarajevo in den Norden und zur kroatischen Grenze kürzer, sicherer und komfortabler sein wird als je zuvor.