Brandstiftung, Rollstuhl-Täuschung, 150.000 Euro Schaden – ein Wiener Clan hält Behörden und Justiz seit Monaten in Atem.
Erneut sorgt ein Wiener Balkan-Clan für Schlagzeilen. Wie bereits bekannt wurde, soll einem 71-jährigen blinden Mann in einem Lokal in Wien-Brigittenau beim Bezahlen mit Karte insgesamt 4.933,33 Euro für sieben Mahlzeiten abgebucht worden sein – einzelne Gerichte sollen dabei mit bis zu 2.000 Euro verrechnet worden sein.
Nun hat sich die Vermieterin des Clans gegenüber der Kronen Zeitung geäußert und dabei schwere Anschuldigungen gegen die Balkan-Familie erhoben. Den Mietvertrag mit dem A.-Clan hatte die Wienerin demnach im Februar 2025 unterzeichnet – seither hat sich ihre Lebenssituation drastisch verschlechtert.
Vermieterin unter Druck
Besonders besorgniserregend ist dabei der Umstand, dass die Vermieterin und ihr auf einen Rollstuhl angewiesener Vater unmittelbar neben den Mietern wohnen. Noch im Jahr 2025 wurde an der betreffenden Adresse ein Brand gelegt, den die Wiener Feuerwehr gerade noch rechtzeitig unter Kontrolle bringen konnte.
An dem Objekt in Wien-Floridsdorf sollen neben der Brandstiftung auch ein Raub sowie Mietbetrug stattgefunden haben. Zusätzlich soll der Clan gegen mehrere behördliche Auflagen verstoßen haben. Sämtliche Fälle seien dem Bericht zufolge bereits aktenkundig. Von den vereinbarten Mietzahlungen habe die Wienerin lediglich eine einzige erhalten – 19 weitere Monatsmieten seien nach wie vor offen.
Dennoch scheiterte die Räumungsklage, weil die Balkan-Familie kurz vor den jeweiligen Gerichtsterminen mit taktischen Manövern reagiert haben soll. Zunächst wurde dem zuständigen Richter Befangenheit vorgeworfen, anschließend beantragte man in letzter Minute Verfahrenshilfe mit der Begründung der Mittellosigkeit.
Taktische Manöver
Die Familie scheint dabei äußerst versiert im Umgang mit rechtlichen Mitteln zu sein. Das mutmaßliche Oberhaupt – ein 39-jähriger Mann – soll laut polizeilichen Vernehmungsprotokollen bei Befragungen bewusst im Rollstuhl erscheinen und undeutlich sprechen, um seinen Status als Frühpensionist glaubhaft zu machen.
Darüber hinaus soll er gemeinsam mit Komplizen Hunderte Kilogramm verdorbenes Fleisch im Innenhof des Hauses abgeladen haben – in der Absicht, die Entsorgungskosten auf den Eigentümer abzuwälzen. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen jedoch, dass der 39-Jährige beim Abladen des Mülls offenbar keinen Rollstuhl benötigte.
Nachdem die Vermieterin das Videomaterial der Polizei übergeben hatte, soll A. – diesmal wieder im Rollstuhl – die Überwachungskameras im Hof mit einer Stange und einem Hammer zerstört und dabei gelacht haben. Der finanzielle Schaden, den der Clan der Wienerin bisher verursacht hat, beläuft sich auf rund 150.000 Euro – die Kosten für den Brandschaden noch nicht eingerechnet.
Trotz allem tritt der 39-Jährige in den laufenden Verfahren kaum in Erscheinung. Für die Lokale in Wien-Floridsdorf und Wien-Brigittenau werden regelmäßig andere Familienmitglieder als Betreiber eingetragen. Sobald Behörden zu ermitteln beginnen, gilt der betreffende Verwandte als „unbekannten Aufenthalts“.
Dem Bericht zufolge soll der A.-Clan bereits in Deutschland aktiv gewesen sein, und das Netzwerk soll sich von Bosnien-Herzegowina über Serbien bis nach Rumänien erstrecken. In Österreich soll die Familie neben den Wiener Lokalen auch einen Betrieb in der Steiermark führen. Der Hauptverdächtige aus Wien-Floridsdorf soll sich inzwischen im Grenzgebiet zwischen Vorarlberg und der Schweiz aufhalten und dort Geschäften nachgehen. In ganz Europa soll die Familie den Behörden durch eine Reihe von Konkursen und Scheinunternehmen stets einen Schritt voraus sein. Für alle Beteiligten gilt selbstverständlich bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.
Bemerkenswert ist zudem, dass der A.-Clan selbst offenbar aktiv Anzeigen erstattet – allein neun davon richten sich gegen Angehörige der Vermieterin. Unter anderem soll der betagte, auf einen Rollstuhl angewiesene Vater der Frau Kinder des Clans auf dem Schulweg verfolgt und mit nationalsozialistischen Parolen beschimpft haben – obwohl der Wiener Pensionist nachweislich mit der Zeitzeugenpersönlichkeit Simon Wiesenthal in Briefkontakt gestanden haben soll.
Gegenüber der Kronen Zeitung hat sich auch A. selbst zu Wort gemeldet und erklärt, je nach Sachverhalt entweder unbeteiligt oder Opfer zu sein. Innerhalb des Clans soll es dem Bericht zufolge ebenfalls zu schwerwiegenden Vorfällen gekommen sein: Ein Mitglied soll gegenüber Medien angegeben haben, von Cousins über Stunden hinweg entwürdigend sexuell gefoltert, misshandelt und verletzt worden zu sein – als Anlass soll gegolten haben, dass sein Neffe mit der Frau eines Cousins getanzt habe.
Schauplatz dieser Tat soll ein weiteres Lokal des Clans in Wien-Favoriten gewesen sein.