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Herzgesundheit

Cholesterin-Schock: Schlank und trotzdem todkrank

Cholesterin-Schock: Schlank und trotzdem todkrank
(Foto: iStockphoto)
4 Min. Lesezeit |

Schlank, fit – und trotzdem in Gefahr: Was viele über Cholesterin glauben, könnte sie das Leben kosten.

Dass ein Herzinfarkt vor allem übergewichtige oder ältere Menschen trifft, gilt in der Medizin längst als gefährliches Missverständnis. Der britische Kardiologe Dr. Oliver Guttman warnt ausdrücklich vor dieser Fehleinschätzung: Ein erhöhter Cholesterinspiegel – einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – kann auch Menschen betreffen, die schlank und äußerlich gesund wirken. Bei Cholesterin handelt es sich um einen fettähnlichen Stoff im Blut, der teils vom Körper selbst gebildet, teils über die Nahrung aufgenommen wird und für die Funktion von Zellen, Hormonen und Vitamin D unverzichtbar ist.

Medizinisch unterscheidet man vier relevante Werte: Gesamtcholesterin, LDL (das sogenannte „schlechte“ Cholesterin), HDL (das „gute“ Cholesterin) sowie Triglyceride. Erhöhte Werte können auch genetisch bedingt sein und bleiben ohne Blutuntersuchung in der Regel vollständig unentdeckt.

Stiller Killer

Allein auf die Körperform zu vertrauen, reicht als Gesundheitsindikator nicht aus. „Der Cholesterinspiegel wird von vielen Faktoren beeinflusst, die über das Körpergewicht hinausgehen“, sagt Dr. Guttman. Genetische Veranlagung, Ernährungsgewohnheiten, Lebensalter und das Ausmaß körperlicher Bewegung wirken sich allesamt auf die Cholesterinwerte aus.

Besonders tückisch: Erhöhte Werte verursachen in der Regel keinerlei Beschwerden – bis es zu einem akuten Ereignis kommt. Nicht umsonst wird ein hoher Cholesterinspiegel häufig als „stiller Killer“ bezeichnet, denn er erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich. „Zwei Menschen können den gleichen Gesamtcholesterinspiegel haben, aber ein sehr unterschiedliches kardiovaskuläres Risiko, je nachdem, wie diese Komponenten im Verhältnis zueinander stehen“, erklärt er.

Wer körperlich fit ist und ein normales Gewicht hat, wiegt sich beim Thema Cholesterin oft in falscher Sicherheit. Doch genau diese Annahme kann trügerisch sein. „Schlank zu sein, garantiert keine gesunden Cholesterinwerte“, stellt Dr. Guttman klar. Manche Menschen, die sehr fit aussehen und ein gesundes Gewicht haben, können trotzdem einen hohen Cholesterinspiegel haben, weil ihr Körper von Natur aus mehr davon produziert.

Darüber hinaus spielt nicht nur das sichtbare Körperfett eine Rolle, sondern vor allem das viszerale Fett – jenes Fett, das tief im Bauchraum um die Organe herum gespeichert ist. Diese Art von Fett wird mit höheren Werten des schädlichen LDL-Cholesterins und einem größeren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht.

Auch wenn Frauen im Vergleich zu Männern seltener in jungen Jahren einen Herzinfarkt erleiden, bleibt Cholesterin für sie ein ernstzunehmender Risikofaktor. Laut Dr. Guttman entwickeln Frauen Herzerkrankungen tendenziell später, was unter anderem auf die schützende Wirkung des Hormons Östrogen zurückzuführen ist. Nach der Menopause jedoch steigt das Risiko deutlich an. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Herzinfarkte bei Frauen häufig durch untypische Symptome äußern – abseits der klassischen, drückenden Brustschmerzen, die vor allem von Männern beschrieben werden.

Statine & Ernährung

Cholesterinsenkende Medikamente, sogenannte Statine, zählen weltweit zu den meistverordneten Arzneimitteln und gelten als hochwirksam. Dennoch begegnen viele Patienten ihrer Einnahme mit Skepsis. Statine werden oft für Beschwerden und Schmerzen verantwortlich gemacht, die häufig in der Lebensmitte auftreten – obwohl große klinische Studien darauf hindeuten, dass echte Nebenwirkungen weitaus seltener auftreten, als viele Menschen glauben.

Ein zentrales Problem in der Praxis ist die mangelnde Therapietreue: Studien belegen, dass ein beträchtlicher Teil der Patienten die Einnahme innerhalb weniger Jahre abbricht – was maßgeblich dazu beiträgt, dass angestrebte Cholesterinzielwerte häufig nicht erreicht werden.

So wirksam Statine auch sind, ersetzen sie eine gesunde Lebensführung nicht. Ernährung bleibt ein wesentlicher Hebel bei der Regulierung des Cholesterinspiegels. Lebensmittel mit einem hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen – darunter Hafer, Bohnen und Linsen – können dazu beitragen, den LDL-Wert zu senken. Hafer enthält Beta-Glucan, eine Art löslicher Ballaststoffe, die im Darm eine gelartige Substanz bildet und sich an Cholesterin bindet, wodurch verhindert wird, dass ein Teil davon in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Eine aktuelle Studie ergab, dass der Verzehr von Haferflocken über nur zwei Tage den LDL-Cholesterinspiegel um bis zu 10 Prozent senken kann.

Das Ei als Cholesterinbombe – dieses Bild hat die Wissenschaft längst revidiert. Für die meisten Menschen haben Eier kaum Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Wenn es also um ein warmes Frühstück geht, sind es nicht die Eier, über die man sich Sorgen machen muss – es ist die zusätzliche Portion Speck oder die Wurstbeilage, die sich eher auf die Herzgesundheit auswirken kann.

Doch auch diese Betrachtung greift zu kurz: Nicht allein Fett, sondern auch Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel können ungünstige Blutfettwerte begünstigen. Den Großteil des Cholesterins produziert der Körper selbst, vor allem in der Leber – Ernährung ist damit nur ein Teil der Gleichung, Genetik und Lebensstil spielen eine ebenso entscheidende Rolle.

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KO KOSMO-Redaktion
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