Stabiles Wetter, monatelange Vorbereitung – und dann schlägt der Elbrus erbarmungslos zu. Eine Expedition endet in einer Tragödie.
Zwei bosnisch-herzegowinische Bergsteiger haben eine Extremexpedition auf den Elbrus mit dem Leben bezahlt. Drei weitere gelten weiterhin als vermisst, doch die Hoffnung sie lebens zu finden schwindet. Zwei Mitglieder der Gruppe überlebten das Unglück: Haris Adilovic und Kemal Vidimlić, beide aus Zenica in Bosnien und Herzegowina. Vidimlic gelang es, aus einer Höhe von rund 5.100 Metern selbständig zum Basislager abzusteigen und dort die Rettungskräfte zu alarmieren.
Pet alpinista iz Bosne i Hercegovine poginulo je na planini Elbrus u Rusiji, dok su dvije osobe preživjele nesreću, prenose ruski mediji pozivajući se na informacije Telegram kanala Shot.
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— Anadolu BHSC (@aa_balkans) July 26, 2026
Adilovic wurde laut russischen Nachrichtenagenturen beim Abstieg angetroffen, als das Rettungsteam bereits am Unglücksort eintraf. Beide Überlebenden erlitten Erfrierungen und befinden sich in ärztlicher Behandlung.
Tödlicher Schneesturm
Nach Angaben regionaler russischer Ermittlungsbehörden ereignete sich der Unfall am 25. Juli 2026. Den Ausgangsbedingungen nach hätte die Expedition glimpflich verlaufen können. Der Aufstieg begann bei stabilen Wetterverhältnissen – doch in rund 5.100 Metern Höhe traf die Gruppe ein heftiger Schneesturm, der von extremer Kälte und nahezu null Sicht begleitet wurde. Was danach folgte, endete für mehrere Mitglieder tödlich.
Die Leichen zweier Bergsteiger befinden sich nach wie vor in einem schwer zugänglichen Bereich des Berges; ihre Bergung ist erst möglich, sobald das Wetter eine Annäherung erlaubt. Die russischen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet, um die genauen Umstände des Unglücks zu rekonstruieren. Parallel dazu sind die Botschaft von Bosnien und Herzegowina in Russland sowie das Außenministerium in Sarajevo aktiv: Sie stehen den Familien der Verunglückten bei und koordinieren die Überführung der Verstorbenen in ihre Heimat.
Dass die Gruppe überhaupt so weit gekommen ist, war das Ergebnis monatelanger Vorbereitung. Intensives Training und eine schrittweise Akklimatisierung gingen dem Aufbruch voraus – wie es bei jeder ernsthaften Elbrus-Expedition üblich ist. Das Ziel war der höchste Gipfel Europas, der jährlich Tausende Bergsteigerinnen und Bergsteiger aus aller Welt anzieht.
Five climbers from Bosnia and Herzegovina have died on Mount Elbrus.
Seven started the ascent. At over 5,100 metres several fell ill. Two survivors made it down. Rescuers have recovered two bodies so far; the search for the remaining three continues in extreme conditions.
A… pic.twitter.com/8m7X5aXdyd— Alexander (@Sinuyhq) July 26, 2026
Gefährliches Wetter
Der Elbrus erhebt sich im russischen Kaukasus auf 5.642 Meter und gilt als Dach des europäischen Kontinents. Technisch gesehen ist er über die Standardroute im Süden kein außergewöhnlich schwieriges Unterfangen – was ihn jedoch gefährlich macht, ist sein Wetter. Innerhalb weniger Minuten kann strahlender Sonnenschein in einen dichten Schneesturm mit orkanartigen Böen umschlagen, die Temperaturen stürzen dabei auf unter minus 30 Grad Celsius.
Unglücke am Elbrus sind keine Seltenheit – sie gehören, so bitter es klingt, zur traurigen Statistik dieses Berges.