Ein kleines Schild an einer Ortseinfahrt – und plötzlich ist eine oberbayerische Kleinstadt bundesweit im Gespräch.
Wer künftig auf einer der Zufahrtsstraßen nach Penzberg rollt, wird dort auf etwas hingewiesen, das es nach Einschätzung der islamischen Gemeinde in dieser Form in Deutschland bislang nicht gegeben hat. Neben den vertrauten Tafeln mit den Gottesdienstzeiten der katholischen und evangelischen Kirchen macht die oberbayerische Kleinstadt ab sofort auch auf das muslimische Freitagsgebet aufmerksam – eine Neuerung, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung finden dürfte.
Penzbergs Imam Benjamin Idriz bezeichnet die Maßnahme als ein Novum in Deutschland. Nach Kenntnis seiner Gemeinde ist es das erste kommunale Schild, das neben den Zeiten christlicher Gottesdienste gleichrangig auch auf das Freitagsgebet der muslimischen Gemeinschaft hinweist. Die Stadtverwaltung räumte allerdings ein, keinen Überblick darüber zu haben, ob vergleichbare Schilder in anderen deutschen Kommunen bereits existieren.
Schilder an Ortseinfahrten
An allen vier Ortseinfahrten Penzbergs werden die bestehenden Gottesdienst-Infotafeln um ein weiteres Schild erweitert. Neben den Symbolen für die beiden großen christlichen Konfessionen findet sich dort künftig auch ein Hinweis auf das Freitagsgebet der islamischen Gemeinde.
Bislang wurde die neue Tafel an einer einzigen Zufahrtsstraße montiert; die übrigen drei sollen in den nächsten Wochen folgen. Wie die Stadt mitteilt, geht die Initiative auf eine Gesprächsrunde zwischen dem Bürgermeister und Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften zurück. Ausgelöst wurde sie durch die ohnehin geplante Erneuerung der verblassten alten Schilder – bei dieser Gelegenheit entschied man sich, das muslimische Freitagsgebet künftig ebenfalls aufzuführen.
Bekannte Gemeinde Bayerns
Die Glaubensgemeinschaft im Landkreis Weilheim-Schongau gilt als eine der bekanntesten islamischen Gemeinden Bayerns. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stattete ihr im Jahr 2019 einen Besuch ab. Für Imam Idriz ist das neue Schild ein sichtbarer Ausdruck von Gleichbehandlung und gelebter Religionsfreiheit.
„Gerade in einer Zeit, in der Vorurteile, Hass und Polarisierung zunehmen, senden solche sichtbaren Zeichen eine wichtige Botschaft: Menschen unterschiedlichen Glaubens gehören selbstverständlich zu unserer Gesellschaft und begegnen einander mit Respekt“, betonte Idriz gegenüber ntv. Das neue Hinweisschild sei ein Zeichen der Wertschätzung.