Vom Börsenstar zum Insolvenzfall: Der Absturz von Varta zeigt, wie schnell ein Vorzeigekonzern ins Wanken geraten kann.
Der deutsche Batteriehersteller Varta hat beim zuständigen Amtsgericht Stuttgart Insolvenzanträge gestellt, die sich derzeit in der Prüfungsphase befinden. Das Unternehmen steht je zur Hälfte im Eigentum des österreichischen Investors Michael Tojner und des Sportwagenherstellers Porsche. Laut Berichten deutscher Medien waren beide Eigentümer zuletzt nicht mehr bereit, frisches Kapital in den kriselnden Konzern zu pumpen.
Drohende Zerschlagung
Mit dem eingeleiteten Insolvenzverfahren wächst die Wahrscheinlichkeit einer Zerschlagung des Unternehmens. Wichtige Gläubiger – darunter die Deutsche Bank sowie mehrere Hedgefonds – sollen Interesse am Haushaltsbatteriegeschäft angemeldet haben, während Tojner offenbar auf den Bereich der Mikrobatterien abzielt. Das Bundeskartellamt hatte im Zusammenhang mit Varta Pläne zur Übernahme von jeweils mehr als 25 Prozent durch die Deutsche Bank und Blantyre Capital geprüft. Zu diesem Segment gehören unter anderem Knopfzellen, die beispielsweise in Hörgeräten zum Einsatz kommen.
Lange Zeit galt Varta als Vorzeigeunternehmen der Batteriebranche. Zum Produktportfolio zählten Akkus für Apples AirPods, und auch andere Technologiekonzerne ließen ihre Minibatterien bei dem Unternehmen fertigen. Im Geschäftsjahr 2020 wies Varta noch einen Nettogewinn von 95,4 Millionen Euro aus. Gemeinsam mit Porsche verfolgte das Unternehmen zudem Pläne für den Aufbau einer Batteriezellenproduktion für Elektrofahrzeuge – mit dem Fokus auf leistungsstarke Zellen für das Premiumsegment.
Vartas Niedergang
Den Berichten zufolge markierte der Verlust des Apple-Auftrags den Beginn des Niedergangs. Die Varta-Produktionsstätte in Nördlingen sollte nach dem Verlust des wichtigsten Kunden geschlossen werden, wobei rund 350 Arbeitsplätze betroffen sind. Auch an den Kapitalmärkten spiegelte sich diese Entwicklung wider: Hatte die Varta-Aktie im Jahr 2021 zeitweise einen Wert von über 170 Euro erreicht, sank der Kurs im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen und Insolvenzverfahren bis zum Delisting (Rückzug von der Börse) im Frühjahr 2025 auf unter einen Euro.