Eine neue Brücke, ein konkretes Datum, zwei Länder: Ein Autobahnprojekt verändert die Reiseroute durch den Westbalkan.
Für Reisende auf der Strecke zwischen Serbien und Bosnien und Herzegowina zeichnet sich eine spürbare Verbesserung ab: Der neue Autobahnabschnitt zwischen Kuzmin und Sremska Rača soll am 15. Oktober 2026 für den Verkehr freigegeben werden. Das Projekt ist Teil einer langfristig geplanten Verkehrsachse, die Belgrad über Bijeljina mit Banja Luka verbinden soll.
Eröffnung am 15. Oktober
Bei einem Baustellenbesuch am 21. August kündigte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić an, dass der rund 18 Kilometer lange Abschnitt zwischen Kuzmin und Sremska Rača am 15. Oktober 2026 eröffnet werden soll. Nach seinen Angaben sind die Arbeiten auf dem Teilstück inzwischen zu rund 89 Prozent abgeschlossen.
Besonders weit fortgeschritten ist die neue Brücke über die Save. Das insgesamt 1.320 Meter lange Bauwerk gilt laut den beim Baustellenbesuch genannten Angaben zu 99,5 Prozent als fertiggestellt. Bereits wenige Tage zuvor hatten auf der Brücke Belastungstests begonnen.
Mit der Eröffnung am 15. Oktober entsteht allerdings noch keine durchgehende Autobahnverbindung bis Bijeljina. Freigegeben wird zunächst der serbische Abschnitt bis Sremska Rača beziehungsweise zur Staatsgrenze. Auf bosnisch-herzegowinischer Seite laufen die Arbeiten an der Fortsetzung weiter.
Weiterbau bis Bijeljina
Von Rača bis Bijeljina entsteht derzeit eine rund 20 Kilometer lange Autobahnstrecke. Nach Angaben des Autobahnbetreibers Autoputevi Republike Srpske wird der Großteil des Projekts von Serbien finanziert: Rund 80 Prozent der Kosten trägt die Republik Serbien, etwa 20 Prozent die Republika Srpska.
Die Arbeiten auf diesem Abschnitt sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Zuletzt wurden unter anderem Verzögerungen im Zusammenhang mit Grundstücksfragen, Genehmigungen und der Verlegung beziehungsweise Anpassung bestehender Infrastruktur gemeldet. Ein konkretes Eröffnungsdatum für die komplette Strecke Rača–Bijeljina steht daher derzeit nicht fest.
Für Reisende zwischen Westeuropa, Serbien und Bosnien und Herzegowina bleibt das Projekt dennoch von großer Bedeutung. Die neue Verkehrsachse soll die Region Semberija besser erschließen und Bijeljina langfristig direkt an das serbische Autobahnnetz Richtung Belgrad anbinden.
Große Pläne Richtung Banja Luka
Von Bijeljina aus soll die Autobahn langfristig über Brčko und weiter Richtung Doboj und Banja Luka führen. Auf dieser Achse bestehen bereits wichtige Teilstücke: Die Autobahnverbindungen zwischen Banja Luka und Prnjavor sowie zwischen Prnjavor und Doboj sind bereits in Betrieb.
Auf der bosnisch-herzegowinischen Seite wird die neue Verbindung in mehreren Abschnitten geplant und gebaut. Die Strecke Rača–Bijeljina ist rund 20 Kilometer lang. Für den Abschnitt von Bijeljina bis zur Grenze des Brčko-Distrikts sind weitere rund 17,4 Kilometer vorgesehen. Westlich von Brčko ist zudem eine rund 31,5 Kilometer lange Autobahnverbindung Richtung Vukosavlje geplant beziehungsweise in Vorbereitung.
Eine einfache Addition dieser Teilstücke ergibt zwar knapp 70 Kilometer, eine durchgehende Autobahn besteht damit aber noch nicht. Insbesondere die Verbindung durch den Brčko-Distrikt sowie weitere Lückenschlüsse Richtung Doboj müssen noch umgesetzt werden. Auch bei der konkreten Trassenführung rund um Brčko gab es zuletzt noch offene Fragen und Änderungen.
Auch Tuzla und Sarajevo im Gespräch
Langfristig wird zudem über eine bessere Straßenverbindung in Richtung Tuzla und Sarajevo gesprochen. Vučić bezeichnete eine solche Verbindung bei seinem Baustellenbesuch als wünschenswert. Ein konkretes gemeinsames Autobahnprojekt oder ein verbindlicher Zeitplan dafür besteht derzeit allerdings nicht.
Für Autofahrer bleibt deshalb vorerst der 15. Oktober 2026 das entscheidende Datum. Dann sollen die neuen rund 18 Kilometer zwischen Kuzmin und Sremska Rača für den Verkehr freigegeben werden – und damit ein weiterer wichtiger Baustein der künftigen Autobahnverbindung zwischen Serbien und Bosnien und Herzegowina entstehen.