Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Unabhängigkeit

Digitale Befreiung: So will Europa die Tech-Ketten sprengen

Digitale Befreiung: So will Europa die Tech-Ketten sprengen
(istockphoto: US-tech)
3 Min. Lesezeit |

Europa will die digitale Fremdbestimmung abschütteln. Mit einem ambitionierten Technologieplan nehmen die EU-Parlamentarier nun die Abhängigkeit von US-Giganten ins Visier.

Die EU-Parlamentarier haben ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stärkung der technologischen Autonomie Europas vorgestellt. Der Aktionsplan zielt darauf ab, die derzeit starke Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologieanbietern zu verringern und die digitale Souveränität des Kontinents in strategisch wichtigen Bereichen zu festigen.

Im Zentrum der Initiative steht der beschleunigte Ausbau zukunftsfähiger Kommunikationsnetze. Das Parlament drängt auf eine zügigere Implementierung von Glasfaser-, 5G- und perspektivisch auch 6G-Technologien, um bis zum Ende dieses Jahrzehnts flächendeckend leistungsstarke Internetverbindungen zu gewährleisten. Durch den Einsatz offener Funknetzarchitekturen sollen nicht nur Kosten reduziert, sondern auch die Interoperabilität verschiedener Standards verbessert werden. Parallel dazu plant die EU, private Investitionen für den Infrastrukturausbau zu mobilisieren und die Frequenzvergabe zwischen den Mitgliedstaaten zu harmonisieren.

Angesichts der wachsenden Bedeutung des Weltraums für sicherheitspolitische Belange richtet das Parlament seinen Blick auch nach oben. Die Dominanz amerikanischer Satellitennetzwerke wie Starlink wird zunehmend als strategisches Defizit betrachtet. Als Gegenmaßnahme sollen die europäischen Kapazitäten in der Erdbeobachtung und der Weltraumobjektverfolgung deutlich ausgebaut werden, um die Abhängigkeit von Daten aus Drittstaaten zu minimieren – ein Aspekt, der besonders im militärischen Kontext an Relevanz gewinnt.

Technologische Schlüsselbereiche

Im Bereich der Hochleistungsrechentechnik plant die EU ebenfalls einen Aufholprozess. Die Abgeordneten fordern ein neues europäisches Supercomputer-Netzwerk, das sowohl öffentlichen Einrichtungen als auch der Privatwirtschaft zugänglich sein soll. Ergänzend dazu sieht der Plan die Errichtung spezialisierter „KI-Fabriken“ vor, die die bestehenden EuroHPC-Supercomputer aufrüsten und dedizierte Rechenkapazitäten für das Training künstlicher Intelligenzen bereitstellen sollen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Halbleiterproduktion. Das Parlament betont die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Chips zu reduzieren, wobei KI-spezifische Prozessoren als besonders prioritär eingestuft werden. Die Abgeordneten fordern die Entwicklung von Notfallplänen für den Fall amerikanischer Exportbeschränkungen sowie verstärkte Forschungsanstrengungen, um die Produktion europäischer KI-Chips zu beschleunigen.

Sicherheitsaspekte

Die Sicherheit der interkontinentalen Datenverbindungen bildet einen weiteren Kernpunkt der Initiative. Das Parlament fordert verstärkte Schutzmaßnahmen für die kritische Unterwasserkabelinfrastruktur und den Aufbau redundanter Verbindungen, um bei Störungen alternative Datenrouten nutzen zu können. Zudem wird die Einrichtung einer europäischen Reparaturflotte vorgeschlagen, die bei Beschädigungen oder Sabotageakten schnell eingreifen kann.

Auch die Cybersicherheit findet im Aktionsplan besondere Beachtung. Die Parlamentarier drängen auf einen verbesserten Schutz kritischer Infrastrukturen wie Kernkraftwerke, Flughäfen und Gesundheitseinrichtungen. Sie fordern die zügige Umsetzung der NIS-2-Richtlinie in allen Mitgliedstaaten sowie Einschränkungen für 5G-Anbieter mit erhöhtem Risikoprofil.

Der umfassende Aktionsplan verfolgt nicht nur das Ziel, die technologische Unabhängigkeit Europas zu stärken, sondern soll gleichzeitig günstigere wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen.

Die Parlamentarier streben an, die heimische Technologiebranche zu fördern und den Standort Europa für internationale Investoren attraktiver zu gestalten.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen