Pflegekräfte am Limit: In Oberösterreichs Ordensspitälern legten Mitarbeiter die Arbeit nieder. Hinter dem Streik stehen erschöpfte Menschen und ein Kampf um bessere Bedingungen.
Am Donnerstag traten die nicht-ärztlichen Mitarbeiter in den meisten oberösterreichischen Ordensspitälern in den Ausstand. Mit dieser landesweiten Arbeitsniederlegung wollten sie ein kraftvolles Signal senden. Der Hintergrund: Die seit Monaten stockenden Kollektivvertragsverhandlungen. Viele Mitarbeiter berichten, dass sie an ihre Belastungsgrenze gestoßen sind und nun endlich greifbare Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen einfordern.
Eine von ihnen ist Jacqueline, 32 Jahre alt und als Pflegerin auf der Pankreaschirurgie im Ordensklinikum Linz tätig. Sie schildert ihre täglichen Herausforderungen: „Unsere Patienten sind prinzipiell gleich mal einige Tage auf der Intensivstation. Wenn sie zurückkommen, können nicht selber aufstehen, sich nicht selber waschen. Diese Menschen sind einfach extrem pflegebedürftig und extrem fordernd.“ Besonders auf ihrer Station sei der Arbeitsdruck immens, verstärkt durch den Personalmangel.
Standardmäßig seien zwei diplomierte Krankenschwestern im Dienst. Zwar gebe es Pflegeassistenzkräfte zur Unterstützung, doch diese dürften viele erforderliche Aufgaben nicht übernehmen: „Es ist einfach das Problem, dass wir am Ende des Tages alles alleine machen müssen, alles überdenken müssen.“
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Emotionale Belastung
Die berufliche Belastung geht über das Körperliche hinaus und erfasst auch die psychische Ebene: „Es ist emotional auch extrem fordernd, wenn man zum Beispiel mit Verstorbenen oder den Angehörigen zu tun hat. Ich muss aber ins nächste Zimmer gehen und so tun, als wäre alles gut.“ Diese Erfahrungen begleiten die Pflegekräfte auch nach Dienstschluss: „Am Ende des Tages sind wir einfach ausgebrannt und der Kopf ist leer.“
Aus Jacquelines Sicht wäre eine Reduzierung der Arbeitszeit sinnvoll, damit das Pflegepersonal nicht permanent am Limit arbeitet und die Versorgungsqualität gewahrt bleibt: „Wir müssen Arbeit leisten, das ist uns klar. Die leisten wir auch gerne. Aber irgendwann kann ich das qualitativ nicht mehr so machen, wie wir es uns alle wünschen würden.“
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Wenn sie den Verhandlungsführern der Arbeitgeberseite eine Botschaft mitgeben könnte, wäre es diese: „Geht einen Tag mit mir mit. Ich glaube, dass das für sich sprechen würde. Was wir jeden Tag leisten müssen, das kann sich keiner vorstellen.“
Konkrete Forderungen
Nach mehreren ergebnislosen Verhandlungsrunden steigt der Handlungsdruck: Gewerkschaftsvertreter und Belegschaft bestehen auf eine deutliche Entlastung und angemessene Vergütung. Konkret verlangen sie eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden sowie Lohnsteigerungen mindestens in Höhe der Inflationsrate.
Die Streikmaßnahmen scheinen inzwischen Wirkung zu zeigen: Seit Dienstag steht der Termin für die fünfte Verhandlungsrunde fest.
Am 4. Feber könnte möglicherweise ein Durchbruch erzielt werden.