Die Kollektivvertragsverhandlungen für die 130.000 Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich sind abgeschlossen. Ab April steigen die Gehälter um 2,6 Prozent, ab Jänner 2027 folgt eine weitere Erhöhung von mindestens 2,3 Prozent, abhängig von der Inflationsentwicklung.
Die geplanten Arbeitsniederlegungen wurden damit abgewendet. Die Einigung umfasst zudem ein erweitertes Rahmenrechtspaket sowie verbesserte Einstufungen für einen Teil der Behindertenfachkräfte und des Kindergartenpersonals, wie die Gewerkschaft GPA mitteilte. Neu ist auch ein Anspruch auf Stundenaufstockung für Teilzeitbeschäftigte.
Insgesamt waren 17 Verhandlungsrunden nötig, um den Tarifkonflikt beizulegen. Eva Scherz, Verhandlungsführerin der GPA, bewertet die Fortschritte im Rahmenrecht positiv, bezeichnet die Gehaltskomponente jedoch als „harten Kompromiss“. Sie führt den Durchbruch auch auf die beiden durchgeführten Streikaktionen zurück. Michaela Guglberger von der Gewerkschaft vida dankte den tausenden engagierten Mitarbeitern und betonte, dass angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das bestmögliche Ergebnis erzielt worden sei.
Arbeitgeberposition
Die Arbeitgebervertretung Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) sieht in der Vereinbarung eine Garantie für sichere Arbeitsplätze und stabile Versorgungsleistungen. Laut SWÖ-Verhandlungsführerin Yvonne Hochsteiner sei es den Sozialpartnern gelungen, trotz angespannter Budgetsituation eine tragfähige Lösung zu finden. Vor dem finalen Verhandlungstermin hatte die Arbeitnehmerseite angedeutet, von ihrer ursprünglichen Forderung nach vier Prozent Gehaltsplus möglicherweise abzurücken.
Gleichzeitig war jedoch ein Streikbeschluss für Mittwoch bis Freitag gefasst worden. Noch am Vormittag des Einigungstages hatte Scherz das vorliegende Angebot als „unzureichend“ bezeichnet.
Finanzielle Spielräume
Der letzte Vorschlag der Arbeitgeber sah eine Anhebung der kollektivvertraglichen Löhne und Gehälter ab 1. April 2026 um 2,3 Prozent vor. Auf das Gesamtjahr 2026 umgerechnet hätte dies einer Steigerung von 1,72 Prozent entsprochen, da für das erste Quartal keine Erhöhung vorgesehen war. Hochsteiner verwies am Montagmorgen auf die bereits festgelegten Budgets, die hauptsächlich von öffentlichen Mitteln aus Bund, Ländern und Gemeinden gespeist werden.
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Trotz zahlreicher Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern sei keine Verbesserung der finanziellen Spielräume erreicht worden. Sie äußerte Verständnis für die Position der Gewerkschaften, betonte jedoch die fehlenden Handlungsmöglichkeiten.
Hochsteiner unterstrich erneut ihr grundsätzliches Verständnis für die gewerkschaftlichen Forderungen, verwies jedoch auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten. „Wir können nur das zusagen, was wir tatsächlich gegenfinanzieren können“, erklärte sie mit Blick auf die Budgetsituation.
Die Verhandlungen für die Beschäftigten in den privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegeberufen hatten am 1. Oktober begonnen.